Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe

Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe – Zukunft für Jugend!

Unter diesem Motto engagieren sich im DBSH zahlreiche Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen der Kinder- und Jugendhilfe. Ihre Projekte und Praxiserfahrungen haben dazu beigetragen, dass die lokalen beruflichen Rahmenbedingungen diskutiert werden konnten und Vorschläge aus Sicht der beruflichen Praxis gegenüber der Politik und Verbänden formuliert werden konnten.

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Presse, Sozialpolitische Stellungnahmen und Stellungnahmen Fach- und Berufspolitik

Inhalt

Statement Bundesfachgruppe Jugendhilfe zum „Super-ASD“

Unsere Zukunft in der Kinder- und Jugendhilfe / Tagungsbericht

“Babys für die Quote” - offener Brief zur RTL-Serie

Studie zum Berliner Jugendamtskonzept - Kritik des DBSH

Tagungsbericht Berlin (Sozialraumorientierung und “Berliner Thesen”)

Tagungsbericht (Halle) - Wir haben Fehler gemacht

Die verhinderten Retter vom Jugendamt

Erzieherausbildung nicht verwässern

Jugendhilfe und Justiz

 

Statement Bundesfachgruppe Jugendhilfe zum „Super-ASD“

Die nachfolgende Stellungnahme hielt Michael Böwer als Fachbereichsleiter des Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe zur Eröffnung des ASD-Bundeskongress vom 24. bis 26. November 2010 in Hamburg. Mehr dazu auch hier :

 

Hamburg sucht händeringend Sozialarbeiter, die im ASD arbeiten wollen. Wen wundert`s? Kolleginnen und Kollegen und Absolventen der Sozialen Arbeit wandern ins Hamburger Umland ab, weil sie dort bis zu 300 Euro Brutto mehr verdienen. Ähnlich geht es denen in Bremen und Berlin – es gelten andere Tarifwerke. Und anderorts, hört man, windet sich man sich hin und her, nach Entgeltgruppe S 14 zu zahlen, wie sich gehört. Viele Neueingestellte haben dem ASD bereits wieder den Rücken gekehrt. Es braucht dringend Schritte, die der Personalfluktuation entgegen wirken.

Hamburg sucht weiter nach einem besseren Kinderschutz. Wen wundert’s? Offenbar ist es selbst dem Sozialsentor entgangen, dass ein ASD eine Kindeswohlgefährdung am besten vor Ort einschätzen kann und dazu Hausbesuche braucht. Sie streichen zu wollen, wie der NDR dieser Tage berichtet, ist nicht nur grober Unfug, dies ist geradezu ein Gesetzesverstoß – im SGB VIII steht nichts von Risikoabwägung  nach Aktenlage! Was für ein Signal an die Mitarbeiter, die nach Kräften versuchen, aus Fällen wie Jessica (2004) und Lara-Mia  (2009) zu lernen. 

Hamburg möchte die Budgets begrenzen. Da ist es nicht allein – ich komme aus Bremen, da versucht man es dieses Jahr mit einer prozentualen Ziffer, die den maximalen Fallanstieg festsetzen soll. Alle zeigen sich zuversichtlich, dass das klappt. Der ständige Blick auf die Kosten aber, dies zeigt letztlich auch bei uns in Bremen gerade erst erschienene Kinderschutzbericht, verstellt den Blick auf die Einzelfälle – der Untersuchungsbericht im Fall Kevin zeigt dies vielfach. Und bei allen Worten: ASD ist mehr als nur Kinderschutz – nur woher nimmt er die Zeit dazu? M.E. braucht es auch im ASD eine bundesweite Fallzahlobergrenze – wie sie ja derzeit für die Vormünder diskutiert wird. Das das teurer wird für die Kommunen, ist eine bittere Pille. Ihre Finanzlage muss auf anderer Ebene verbessert werden als auf dem Rücken der Beschäftigten. Gute Sozialarbeit ist jedenfalls nicht für Lau zu haben.

Der Super-ASD kann nicht alles regeln, er kann nicht alles leisten und er kann vor allem auch nicht alles aushalten. Aber Sie können etwas beitragen, dass Fachlichkeit vermittelt wird und wir als Bürger können vielleicht nicht nur Schulreformen stoppen, sondern auch irrlichternde Sozialsenatoren* – So mangelt es, derzeit vielfach am richtigen Maß, am richtigen Ton und vielleicht auch an den nach außen sichtbar werdenden Superkräften des ASD. Aber dazu sind wir ja hier.** 

Michael Böwer
Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe
Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.

* Nach dem ‚Aus‘ der Hamburger Regierungskoalition wenige Tage nach Kongressende hat sich diese Aufforderung vorläufig selbst erledigt.
**Weitere Berichte und Hinweise zum ASD (Kongress): www.dbsh-hamburg.de

Anmerkungen:

Informationen des DBSH-Landesverbandes Hamburg zur Arbeitssituation und zum von dort mit unterstützen Vernetzungskreis ASD incl. dessen Brief an Bürgermeister v. Beust v. 10.2.2010 mit Forderung nach genereller Höherstufung v. E9 auf E11.

Seit 2007 60% der Stellen neu besetzt, 7% neu eingstellten MA im ASD gingen 2009 wieder; 20 von 300 Stellen vakant in 11/2009. (Angaben d. Vernetzungskreises Hamburger ASD-Mitarbeiter v. 3.3.2010)

Aus dem Jahresbericht 2008 der Bezirksämter zum Kinderschutz geht hervor, dass die Verdachtsmeldungen zu Kindeswohlgefährdungen im Jahr 2008 um 38 % zugenommen haben. Die Verfügung von Einzelfallhilfen/Familienhilfen durch den ASD stiegen im Jahr 2008 um 15 %. Für die Einrichtung einer solchen Hilfe sind umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Nachdem die Hilfe eingerichtet ist, ist der ASD für die korrekte Durchführung der Hilfe weiter verantwortlich.

2008 lebten in Hamburg 26 % der Kinder unter 7 Jahren ganz oder teilweise von staatlicher Unterstützung zur Armutsvermeidung, hauptsächlich von Leistungen nach SGB II („Hartz IV“). Am höchsten war die Quote im Bezirk Hamburg-Mitte mit 43 %, im Bezirk Harburg betrug sie 35 %.“ (Statistisches Amt, 27.10.2009)

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„Unsere Zukunft in der Kinder- und Jugendhilfe“
Zukunftskonferenz Kinder- und Jugendhilfe, 12. bis 13. März 2010 in Berlin

Was macht gegenwärtig die Praxis der Fachkräfte aus – und wie kann und soll sie künftig aussehen?  Diese Frage stand im Mittelpunkt des Fachbereichsseminars „Zukunftskonferenz ‚Unsere Zukunft in der Kinder- und Jugendhilfe“ vom 12. – 13. März 2010 im Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin – Brandenburg.  Im bundesweit ausgeschriebenen Seminar unter Leitung von Heidi Bauer-Felbel (GfV), die den Fachbereichsleiter Michael Böwer in dessen Elternzeit vertrat, galt es für die Fachkräfte aus den Feldern der Kinder- und Jugendhilfe, berufspolitische Antworten auf den Kosten- und Zeitdruck wie auf komplexer werdende Arbeitsaufträge in der Praxis zu finden. Lesen Sie dazu:

… einen Teilnehmerbericht von Peter Meyer, Hamburg*

Das DBSH Institut unterstützte mit diesem Seminar den neuorganisierten Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe. Die fachpolitische Profilierung des DBSH sollte vertieft werden und ein aktuelles Angebot (offen für die Mitarbeit von Nichtmitgliedern) sollte zum Mitdenken anregen.

Mit Unterstützung der externen Moderatorin Maria Frerichs wurde unter Nutzung anregender Methoden über den Rand der Praxis der Beteiligten hinaus gesehen. Eine Themensammlung wurde vorgenommen, die das Spektrum der jetzigen Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe im Spannungsfeld widersprüchlicher Erwartungen für das gesamte Bundesgebiet spiegelte.

Der Freitag des 12. März wurde genutzt über eine „Wertschätzende Erkundung“ zu einer Sammlung von Zukunftsideen für die Soziale Arbeit in der Kinder- u. Jugendhilfe zu kommen. Am Sonnabend wurden die gefundenen Themen in der Sammlung mit Punkten „mache mit“ und/oder „werde unter Umständen mitmachen“ von allen Teilnehmern belegt. Aus der so entstandenen Prioritätensammlung wurden Titel für mögliche Projekte des Fachbereich Kinder- u. Jugendhilfe im DBSH gefiltert.

Themen waren jetzt:

  1. Rechtsansprüche und KJHG
  2. Politische Einmischung in gesellschaftliche Prozesse
  3. Wirksamkeitsdiskussion: wie verhalten wir uns dazu? Standpunkte entwickeln.
  4. Fehlende Praxis bei Bachelor-Abschlüssen. Reflexionsfähigkeit bei Studenten/innen

Auf dem Weg in ein tragfähiges Projekt wurden unter Anleitung von Maria Frerichs die genannten Themen der Reihe nach untersucht, um herauszufinden, ob daraus ein Projekt werden könnte.

Die Teilnehmer gestalteten von Anfang an ihre Arbeit in einer Atmosphäre, die ein  hohes Maß an fachlicher Gemeinsamkeit vermuten ließen. Das war angenehm überraschend auch deshalb, weil die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Bundesländern kamen und die vielfältigsten Praxiserfahrungen aus jeweils verschiedensten Arbeitsfeldern in unterschiedlichsten Funktionen einbrachten. Heraushebens wert angenehm für mich war, das aus dem Berliner Bereich zwei Teilnehmerinnen aus dem Feld der HzE-Trägerlandschaft kamen, die die widersprüchliche  Organisationspraxis und die sich darin bildenden Funktionsverständnisse praktisch diskutierbar werden ließen. Die Besonderheit der „Freien“ Trägerschaft, die gewinnbringend arbeiten, konnte dabei als ein Unterthema in der Praxis durchaus identifiziert werden. Natürlich kamen dabei auch die überwiegend miese Bezahlung und die sich immer stärker verschlechternden und unsicherer werdenden Arbeitsverträge zur Sprache.

Vor dem Hintergrund einer so gefundenen Analyse entschieden sich die Anwesenden für die Arbeit an einem Projekt entlang des Themas: „Rechtsansprüche und KJHG“.  5 Teilnehmer versprachen hier in der kommenden Zeit aktiv zu werden und für den DBSH bundesweit fachpolitisch Einflussnahme gestalten zu wollen.  Die Beteiligten verständigten sich noch in der großen Runde auf konkrete Schritte. Die knappe Zeit ließ es nicht zu, alle Themen hinsichtlich einer möglichen Projektwürdigkeit zu untersuchen. Unter ganz pragmatischen Gesichtswinkeln wurde trotz der Attraktivität aller Themen gar nicht erst versucht für alle aufgeworfenen Fragen noch weiter in die Tiefe zu gehen. Ein Blick auf die vorhandenen Kräfte ließ es bei der Gestaltung eines Projekts  bewenden. Darin lag denn auch der „Wehrmutstropfen“ der Veranstaltung: Nur elf der 20 Seminarplätze wurden abgerufen. Wie die Rückfrage ins Feld ergab, dass dies nicht zuletzt mit der enormen Zeitverdichtung zu erklären. 

Quasi als Startschuss für das beschlossene Projekt brachte Heidi Bauer-Felbel zum Schluss noch ein Papier der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände ein. Das Erstaunen und Bedauern über die hier deutlich werdenden Einschränkungen und Verschlechterungen für die ohnehin dramatisch schwierige Situation der Sozialen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe unter den sich verschärfenden Armutsbedingungen schien mir den Beteiligten noch einmal zusätzlich Kraft zu geben „widerständig und argumentativ“ zu bleiben. Mir entstand der Eindruck, dass das beschlossene Projekt als Vehikel genutzt werden soll, eine unüberhörbare Stimme gegen solche Ansinnen in einem sich hoffentlich vergrößernden Chor von vielen der „Sozialen Arbeit“ wohlgesonnen anzustimmen.

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„Babys für die Quote<< – die zweite Runde.  DBSH: „Vorgeführte Not: Nach der Tafel ans TV? – Verantwortung aber sieht anders aus!“

Der Jugendrichter, die Ausreißer, das Erziehungs-Camp und die Super-Nanny haben’s vorgemacht: Soziale Not bringt Quote – who cares? Kinder und Jugendliche in ihrer Not am öffentlichen Fernsehpranger – vielfach kritisiert und doch konnte sich das sogenannte „Reality-TV“ am Markt behaupten.  Waren Resonanzen aus der Fachwelt anfangs noch verhalten und berichteten Familienhelfer gar von positiven Effekten der Super-Nanny bei sonst überforderten Eltern (etwa, wenn sie von der Super-Nanny lernten, dass man sich hinhocke, wenn man die Kleinsten anspreche), ist nun die Kritik eines neuerlichen Krachers vehement: RTL will ab dem 3. Juni Babies an Erziehungsschwierige auszuleihen (Im so genannten „Coachingformat Erwachsen auf Probe“). Sechzig bundesdeutsche Dach- und Fachverbände nehmen nun kein Blatt vor den Mund: Kinder, so heißt es in ihrer Stellungnahme vom 30. Mai 2009, „sind keine Ware“; sie „im Fernsehen zur Erhöhung der Einschaltquote zu prosituieren, ist sittenwidrig“.

Aus Sicht von Michael Böwer, der den DBSH im Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe vertritt, zu Recht: „Soziale Not und Probleme werden hochgepuscht der Quote wegen, Szenen - wie üblich - einseitig verkürzt und dramatisiert.“ Unschuldige Babys ebenso wenig wie  Jugendliche sollten so nicht in Szene gesetzt werden dürfen. Der vom Sender behauptete Effekt bleibe dürftig - wie wohl auch diesmal die Auswirkung der Kritik: „Welchen Lerneffekt soll das für Jugendliche haben, die da zuschauen“, fragt Böwer. Die tatsächliche Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die zuweilen vielleicht ähnlich wenig „klar“ kämen im Leben, werde banalisiert und zirzensisch vorgeführt. Das sei Fernsehen heute und es zeige zynisch gesprochen vielleicht nur, wie belanglos vielen Verantwortlichen soziale Not geworden sei: Nach der Tafel ans TV? – „Verantwortung aber“, so Böwer, „sieht anders aus!“

Download offener Brief

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Stellungnahme RTL

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Studie zum Berliner Jugendamtskonzept - Kritik des DBSH

5. August 2009: Der auf den 1. Juli datierte Abschlussbericht „Personalausstattung sozialräumlich organisierter Berliner Jugendämter“ der Steria Mummert Consulting  zeichnet ein in Teilen bedenkliches Bild der Berliner Jugendamtspraxis. Zwar wird kein gestiegenes Aufgabenspektrum festgestellt, sodass „ein pauschaler Aufschlag von Personalkapazitäten über alle Aufgabenbereiche (...) nicht sinnvoll“ (ebd.:16) sei. Doch die vorhandenen personellen und sachlichen Ressourcen schwanken erheblich. Problematisch sei die Überalterung der Teams; rund 1/3 der jetzt Beschäftigten scheiden bis 2019 aus. Befunde und Kritik des DBSH:

Kritik/Kommentar zur Berliner Jugendamtsstudie

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„Keine Spardose auf Kosten der Betroffenen…!“
DBSH formuliert „Berliner Thesen zur Sozialraumarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe“

(19. Juni 2009) Berlin. Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) hat sich mit einem Thesenpapier in die Diskussion um wirksame Kinder- und Jugendhilfe eingeschaltet.  In dessen jugendhilfepolitischen Bundestagung am 19. Juni 2009 im dbb forum Berlin formulierten die anwesenden Fachkräfte sieben Thesen dazu, wie sozialräumliche Kinder- und Jugendhilfe aussehen müsse. Diese stünde am Scheideweg:  Wenn etwa im Berliner Bezirk Mitte, Hilfen entgegen bundesweiten Vorgaben erst nach Karenzzeiten angeboten werden sollten oder sie andernorts nach Gutdünken der Kämmerer bewilligt würden – dann sei man als PraktikerIn gefordert, sich zu Wort zu melden, so der Fachbereichsleiter für Kinder- und Jugendhilfe des DBSH, Michael Böwer. Er unterstütze daher den örtlichen Protest.

Land auf, Land ab, würden Standards geschliffen und vor der Öffentlichkeit in wohlfeile Worte geschlungen:  „Doch wo Sozialraumarbeit drauf steht, muss auch Sozialraumarbeit möglich sein“, so Böwer. „Sozialraumkonzepte wirken nur bei auskömmlichen Budgets“, „Hilfen müssen sich am Willen der Klienten, nicht der Fachkräfte“ orientieren, „Jugendarbeit“ müsse „ihre Häuser“ verlassen – so einige der deutlichen Worte, die die Fachkräfte selbst ihren Thesen gaben. 

Diesen voran gingen Impulse von kundiger Stelle: Vertreter der im Bund regierenden Koalitionsparteien machten in ihren Statements deutlich, dass es bei den Kommunen liege, verantwortlich zu handeln. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kerstin Griese (SPD) verwies auf die Beiträge ihrer Partei zum Ausbau der Tagesbetreuung und der Familienförderung. Der CDU-Abgeordnete Willi Zylajew, selbst studierter Sozialarbeiter, unterstrich selbstkritisch, dass kommunal viel mehr möglich sei, als zuweilen selbst im Bund gewagt werde.

Der „Vater“ der Sozialraumorientierung, Prof. Dr. Wolfgang Hinte, ging mit einem „Ritt über den Bodensee“ (O-Ton Hinte) auf Missverständnisse und missbräuchliche Verwendungen der Sozialraumidee ein und unterstrich die Bedeutung des Willens der Betroffenen für die Umsetzung solcher Konzepte. Die Vorsitzende des Berliner Rechtshilfefonds Jugendhilfe, Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl (ASH) stellte die Situation junger Volljähriger zwischen Arge und Jugendamt dar und zeigte Wege auf, wie die Professionellen selbst aktiv werden können, um ihre Klienten zu unterstützen. Auf Möglichkeiten der Umsetzung im Jugendamt und im Jugendzentrum schließlich gingen zwei Workshops ein. Birgit Stephan vom Landkreis Nordfriesland zeigte, welche Rahmenbedingungen die Umsetzung sozialraumbezogener Jugendhilfe benötigt. Professor Dr. Christian Spatscheck  (HS Bremen) stellte dar, wie zeitgemäße Jugendarbeit soziale Räume nutzen könnte.

Die Dokumentation der Tagung wird, ergänzt durch weitere Fachbeiträge, vorr. im Herbst 2010 im Schibri-Verlag, Berlin, erscheinen. Download der Berliner Thesen: http://www.dbsh.de/html/stellungnahmendbsh.html

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„Wir haben Fehler gemacht…“

Rundtischgespräch des DBSH in Halle (Saale) endet mit Bekenntnis der Verantwortlichen zu Fachlichkeit / Kehrt faire und sachliche Diskussion zurück? / Bemerkenswerte Resonanz mit 150 TeilnehmerInnen

Rund ein Jahr nachdem die Dienstanweisung der Hallenser Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados die Rückführung aller Kinder und Jugendlichen aus der Heimerziehung binnen weniger Wochen verordnen wollte und diese erst nach Protest der MitarbeiterInnen, Träger und des DBSH zurückzog, scheint nun der Weg zurück zum gemeinsamen fachlichen Dialog eröffnet. Dies ergab das vom DBSH am Freitag, 28. November 2008 vor Ort in Halle angesetzte Rundtischgespräch „Unheimliches Halle? Zur Situation der Betroffenen im Jugendamt und in der Hallenser Heimerziehung“. Rund 150 Fachkräfte, Experten aus Wissenschaft und Lehre und nicht zuletzt einige Stadträte waren dazu ins InterCity-Hotel Halle-Neustadt gekommen. Unter kundiger Moderation des Journalisten Tino Wiemeier vom MDR Studio Halle lieferte das Rundtischgespräch mit Politik, Jugendamtsleitung, freien Trägern und externen Fachleuten neue und offene Einsichten.

In ihrem Grußwort wies Heidi Bauer-Felbel, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des DBSH, auf die zunehmende Schere wachsender fachlicher Ansprüche an die Soziale Arbeit auf der einen Seite und immer geringer werdenden Mitteln für dieselbe andererseits hin. Der künftige Beigeordnete für Soziales, Tobias Kogge und die Jugendamtsleiterin Katharina Brederlow räumten Fehler der Behörde um Umgang mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den in freien Trägern Betroffenen ein. Noch kurz vor dem Rundtischgespräch habe man die leitend Verantwortlichen im Jugendamt zusammengerufen. Man werde nun wieder verstärkt das Gespräch untereinander suchen, wolle aber, so Brederlow, am Konzept sogenannter „pro-aktiver“ Systeme festhalten. Dieses jedoch sei gescheitert - so der Jugendhilfeexperte Prof. Dr. Roland Merten (Uni Jena). Merten: „Sie können soviele Konzepte schreiben, wie sie wollen, wenn die Mitarbeiter sie nicht mittragen.“ Der Berater der Stadt Halle, Klaus Roth (Start gGmbH), wies eine Verantwortung für die Umsetzung des Konzeptes zurück; über die Wirkungen desselben könne er keine Aussagen treffen. Vertreter der freien Träger zeigten sich gegenüber dem Jugendamt gesprächsbereit, wiesen aber zugleich darauf hin, dass die sozialen Problemlagen in Halle weitaus stärker gestiegen seien, als die Behörde es einräumen wolle. Viele Jugendamtsmitarbeiter vor Ort seien durch die Haltung ihrer Vorgesetzten verunsichert, was direkte Auswirkung auf die fachliche Arbeit habe. Der niedersächsische Heimerziehungsexperte Frank Mattioli-Danker unterstrich für den DBSH, dass die jungen Menschen und Familien in sozialen Problemlagen es verdient hätten, die nötigen Hilfen auch zu erhalten. Es sei nicht verantwortbar, sie mit immer neuen Einsparideen zu verunsichern. In diese Kerbe schlug auch der neue Leiter des Fachbereichs Kinder- und Jugendhilfe des DBSH, Michael Böwer. Es brauche einen fairen Umgang in Ämtern und zwischen Beteiligten sowie - zumal in Zeiten knapper Kassen - ein echtes Miteinander, um tragfähige Lösungen zu finden. Wenig hilfreich hingegen sei es, die tatsächlichen Einsparziele in wohlklingende Formeln zu verpacken. Da stimme es zuversichtlich, wenn nun bessere Zeiten anbrechen sollten. Der zum 1.1.2009 seinen Posten antretende Beigeordnete Kogge kündigte an, dass man „neues Geld anfassen“ werde und dass er sich – angesichts andernorts zunehmend berichteter Fälle von Kindesvernachlässigung und Kindstötung - käme es zu einem Fehler seiner Behörde im Bereich des Kindesschutzes, vor die betroffenen MitarbeiterInnen stellen werde.

Für den DBSH ist all‘ dies Anlass genug, die weitere Entwicklung in Halle auch weiter fachlich und gewerkschaftlich zu begleiten.

Weitere Berichte zur Veranstaltung:

Jugendhilfe in Halle (Saale) - wie weiter? Bericht im Halleforum vom 1.12.08 über die Veranstaltung am 28.11.2008
"Ausdruck von Lernen wre es gewesen..." Diskussionsforum zu der Veranstaltung vom 28.11.08
Sozialarbeit in Halle (Saale): ein Notruf, Bericht in www.salikus.de vom 1.12.2008
Hilfen zur Erziehung: Neue Mehrausgaben, Bericht im Halleforum vom 11.12.2008

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Die verhinderten Retter vom Jugendamt

So lautet der Titel eines Dossiers von Anita und Marian Blasberg, das am 21.5.2008 in der „Zeit“ erschienen ist. In einer für die Publikumspresse sehr differenzierten und gut recherchierten Form werden lebendig und nachvollziehbar die Aufgaben, Probleme und die Arbeitswirklichkeit der KollegInnen in einem Berliner ASD (Allgemeiner Sozialdienst) beschrieben. Zu lesen unter: http://www.zeit.de/2008/22/Jugendamt
Der Landesverband Berlin des DBSH hat hierzu einen Leserbrief an die Redaktion gesandt, der nunmehr in der Online-Ausgabe veröffentlicht worden ist:
http://kommentare.zeit.de/article/2008/07/01/die-diskrepanz-zwischen-sparen-und-not

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DBSH nimmt zum Entwurf des Kinderförderungsgesetz Stellung:
Erzieherausbildung nicht „verwässern“

April 2008: Der Entwurf eines neues Kinderförderungsgesetz löst bei Fachverbänden und DBSH vor allem in Bezug auf das geplante Betreuungsgeld und das neue „Berufsfeld Kindertagesbetreuung“ Kritik aus. Der DBSH stellt den fehlenden Betreuungsschlüssel und die Vorgaben zur Qualifikation der „Tagespflegepersonen“ in den Mittelpunkt seiner Kritik.

Bericht zur DBSH Stellungnahme

Link

 

Stellungnahme des DBSH

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Projekt Jugendhilfe und Justiz
Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Reform des Jugendstrafvollzugs

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Reform des Jugendstrafvollzugs in Deutschland stehen sowohl die Justiz, als auch die Jugendhilfe vor neuen Herausforderungen. Eine entsprechende Entschließung der Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendhilfe (AGJ) fordert, bei diesem Prozess die Jugendhilfe in Deutschland einzubeziehen. Vor allem soll verhindert werden, dass zwei gleiche Systeme nebeneinander aufgebaut werden.
Im Einzelnen heißt es in der Entschließung der AGJ:

„Jugendhilfe hat, was das Eingehen auf spezielle Problemlagen von Jugendlichen mit fachlich-pädagogischen Methoden angeht, eine besonders hohe Kompetenz, um junge Menschen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu erziehen. Seit Jahrzehnten ist es die originäre Aufgabe der Jugendhilfe, ihre Leistungen und Angebote so auszugestalten, dass junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung gefördert werden. Dies ist gemäß § 1 Abs. 3 Nr. 1 SGB VIII eine der Kernaufgaben und auch eine Kernkompetenz der Jugendhilfe.

Damit die Jugendhilfe umfassend in die Entwicklung der Jugendstrafvollzugsgesetze eingebunden wird, sind die Jugendhilfestrukturen in den Bundesländern aufgefordert, ihre Kompetenzen zu einem frühest möglichen Zeitpunkt in die Beratungsprozesse und die anstehenden Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Ebenso sind die Landesgesetzgeber und die Justizministerien der Länder aufgefordert, im Erarbeitungsprozess eigenständiger Jugendstrafvollzugsregelungen möglichst frühzeitig den Austausch mit der Jugendhilfe zu suchen. Nur wenn Jugendhilfe und Justiz bei der Entwicklung der zu erstellenden Gesetze ihre fachlichen Kompetenzen gleichermaßen einbringen und gestaltend wirken können, wird auch die Zusammenarbeit der zuständigen Behörden und Institutionen, die jugendliche Straftäter sowohl vor ihrer Verhaftung als auch in den meisten Fällen nach ihrer Haftentlassung betreuen, gelingen.“

Der DBSH mit seiner Bundesfachgruppe Kinder- und Jugendhilfe bringt sich offensiv in diesen Prozess ein.

Im Nachgang zur Weltkonferenz des DBSH 2006 in München, sowie im Rahmen beruflichen Zuständigkeit und Kontakte durch einen Internationalen Fachkräfteaustausch sowie meiner Tätigkeit im Fachausschuss der AGJ für „Organisation, Finanzierung und Rechtsfragen der Jugendhilfe“ für den DBSH hat sich eine nationale und bilaterale Zusammenarbeit zu diesem Themenkreis entwickelt.

Nach einem Koordinierungsgespräch und einem Fachgespräch Heidi Bauer-Felbel, Frank Mattioli-Danker (DBSH), Roland Stübi (Schweiz) und der Frau Grümer (AGJ) am 21. Februar in Berlin ist ein Fachkräfteaustausch geplant.

Der Austausch besteht bislang zwischen der Einrichtung Hühnenburg bei Melle, Niedersachsen, Jugendhilfeeinrichtungen in Mecklenburg Vorpommern und der BEObachtungsstation Bolligen* in der Schweiz ** . Es hat sich als sinnvoll und für den fachlichen Kontext als notwendig erwiesen, dass in diese Zusammenarbeit eine Jugendvollzugseinrichtung einbezogen werden soll. Deshalb gibt es ebenfalls einen Besuchstermin (Fachgespräch/Besichtigung) in der Jugendstrafvollzugsanstalt Neustrelitz.                                                               Heidi Bauer-Felbel, 10. April 2007

* Die Kantonale BEObachtungsstation Bolligen bei Bern ist der Justiz- Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) unterstellt und vom eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement als Jugendheim anerkannt. In verschiedenen Angeboten (Anlage) werden dort verhaltensauffällige Jugendliche im Altern von 14 – 18 Jahren aufgenommen, für die eine Abklärung der Perspektive erforderlich ist, für die eine externe Berufsausbildung erreicht werden oder ein externer Schulbesuch gewährleistet werden soll.

** In der Schweiz wurde zum 1. Januar 2007 das Jugendstrafgesetz ebenfalls novelliert. Es gibt deshalb ein großes Interesse auch der Schweizer Kollegen an einer Zusammenarbeit und fachlichem Austausch.

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Kontakt:
Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe
(im Funktionsbereich
1 (Fach-, Sozial- und Gesellschaftspolitik im DBSH)
Fachbereichsleitung: Michael Böwer, Tel.:
(04 21) 2401350,  Email:
boewer[at]dbsh.de

Harald Vogel (Koordination),
Email:
harald.vogel[at]dbsh-nrw.de