Beschäftigungssituation in der Sozialen Arbeit

Stichprobe: 1856 freie Stellen für SozialarbeiterInnen

Unter dem Stichwort „Sozialarbeit“ waren am 30.11.2011 bei der Arbeitsagentur 1.856 Stellen gemeldet. 1.038 Stellen waren befristet, 746 unbefristet. Davon entfielen auf die Bundesländer:

Bundesland

Anzahl

Schleswig-Holstein

96

Baden-Württemberg

165

Bayern

273

Berlin

71

Brandenburg

78

Bremen

16

Hamburg

70

Hessen

137

Mecklenburg-Vorpommern

46

Niedersachsen

152

Nordrhein-Westfalen

430

Rheinland-Pfalz

112

Saarland

23

Sachsen

103

Sachsen-Anhalt

53

Schleswig-Holstein

96

Thüringen

31

„Focus“ sieht leichten Anstieg der Sozialarbeitergehälter

Das Magazin „Focus“ hat das Hamburger Unternehmen „Statista“ damit beauftragt, die Daten für den „Gehaltsreport 2011/2012“ der Zeitschrift zu ermitteln (Nr. 45/2011, S. 168f). Danach verdienen Sozialarbeiter im Durchschnitt einer Vollzeitstelle 2.621 € (Männer 2.995 €, Frauen 2.426 €). Am höchsten ist der Durchschnittsverdienst im Norden mit 2.629 €, am niedrigsten im Osten mit 2.295 €.
Laut TVöD-SuE müsste der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst in der Gehaltsgruppe S 11 bereits nach dem ersten Beschäftigungsjahr (Stufe 2) 2.660,22 betragen und reicht in Stufe 5 bis zu 3.529,91 €.
Immerhin: „Focus“ errechnet für die Jahre 2000 bis 2010 inflationsbereinigt einen Gehaltszuwachs von 5,8 %.

Straßenbauer verdienen laut „Focus“ im Durchschnitt monatlich zwei Euro, Autoverkäufer 73, Werkzeugmacher 117, Polizisten 195, Grundschullehrer 526 und Hauptschullehrer 714 Euro mehr als Sozialarbeiter. In der von „Focus‘„ veröffentlichen Liste sind die Sozialarbeiter die akademische Profession mit der geringsten Bezahlung.
Erzieher verdienen im Durchschnitt 2.228 Euro, mit 2.489 € verdienen Männer 328 € mehr als Frauen. Erzieher verdienen im Süden besonders gut (2.414 €), im Osten mit 1.991 € und im Norden mit 2.213 € besonders wenig. Zwischen 2000 und 2010 stieg das Gehalt der Erzieher inflationsbereinigt lediglich um 0,2 %.
Die Daten bestätigen einmal mehr die Notwendigkeit einer genaueren Untersuchung, denn folgt man dem TVöD müssten die Verdienste wesentlich höher sein. Letztlich fehlt es an empirischen Daten, ob der Niedrigstverdienst von Sozialarbeitern und Erziehern, und hier jeweils insbesondere der Frauen dem Umstand geschuldet ist, dass die meisten Mitarbeiter außerhalb der Geltung des TVöD beschäftigt sind, oder vor allem damit zu tun haben, das man nur sehr kurz im Beruf bleibt.

BERUFSQUALIFIKATION
Bessere Daten der Arbeitsagentur

Bislang zeichnete sich die Statistik der Bundesagentur dadurch aus, dass unterschiedliche (veraltete) Berufsbezeichnungen und Berufsqualifikationen die gleiche Zuordnungsnummer (Berufsklassifikation) erhielten. Dies hat eine systematische und sinnvolle Auswertung bezogen auf einzelne Berufe und Qualifikationen erschwert und in der Sozialen Arbeit sogar ganz verhindert. Ein neues System der Berufsqualifikation soll dies nunmehr ändern. Die Schlüsselnummern sind nunmehr auf einzelne Tätigkeitsfelder bezogen und geben den jeweiligen Qualifikationsstandard wieder. In einem Ergänzungsband werden zudem die einzelnen Klassifikationseinheiten gesondert erläutert. Damit ist eine entscheidende Verbesserung eingetreten. Allerdings bleibt es bei mehrfachen Zuordnungen: So ist der Bereich des Sozialmanagement auf Organisationsebene nicht der Sozialen Arbeit zugeordnet. Die wieder gegebenen Berufsbeschreibungen enthalten vielfach keine anerkannten Qualifikationsprofile, selbst in der Zuordnung der „hoch komplexen Tätigkeiten“ werden Berufe wie der „Klinische/r Kunsttherapeut/in“ definiert, für den es eine einheitliche Definition nicht gibt. Zwar wurde der Gesundheitsbereich in einer separaten Einheit aufgeführt, der Krankenhaussozialdienst resp. Sozialarbeiter im Sozialdienst oder in der Sozialtherapie taucht hier genauso wenig auf, wie der Sozialarbeiter im Gesundheitsdienst der Gesundheitsämter und Krankenkassen, dafür aber hat man an den „ Vojta-Therapeut/in“ gedacht. Die Betriebssozialarbeit wurde im neuen System genauso vergessen, wie die Berufsbetreuung.

Insgesamt gesehen verbessert das neue Berufsqualifikationssystem die Datenlage, bezogen auf die Soziale Arbeit aber bleibt es bei erheblichen Mängeln. Daher  wird auch das neue System keine realistischen Angaben zu Bereichen und Zahl der beschäftigten Sozialarbeiter bringen. Theoretisch ist es möglich, dass man sich um 10.000 bis 20.000 Beschäftigte „vertut“. Fazit: Wichtiger Systemwechsel, aber vertane Chance. (wn)

Die elektronische Fassung der KldB 2010 finden Sie im Internet unter - Band 1:
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Klassifikation-der-Berufe/KldB2010/Dok umentationen/Generische-Publikationen/KldB2010-Printversion-Band1.pdf
Band 2:
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Klassifikation-der-Berufe/KldB2010/Dok umentationen/Generische-Publikationen/KldB2010-Printversion-Band2.pdf

AGJ-Positionspapier: Fachkräftemangel in der Kinder- und Jugendhilfe

Die Diskussion über den Arbeitsmarkt der Kinder- und Jugendhilfe war in letzter Zeit insbesondere von zwei Inhalten beherrscht. Zum einen wird diskutiert, ob es Tendenzen hin zur Prekarisierung von Beschäftigungsbedingungen gibt, zum anderen stellt sich die Frage, ob die Absolventinnen und Absolventen der neuen Studiengänge, insbesondere diejenigen mit Bachelorabschluss, Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben. Derzeit ist zu beobachten, dass diese Diskussion überlagert wird durch den bereits bestehenden oder zukünftig zu erwartenden Fachkräftemangel, wobei es durchaus Verbindungen zu den bereits genannten Themen gibt. Mit dem vorliegenden Positionspapier beleuchtet die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ die Situationen bezüglich des Fachkräftemangels in verschiedenen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe, erläutert Strategien und Maßnahmen und benennt Herausforderungen für Aus- und Fortbildung, Anstellungsträger und Politik.
http://www.jugendhilfeportal.de/wai1/showcontent.asp?ThemaID=6708

"ZDF.reportage" über einen knallharten Job

Auf den ersten Blick sind sie Sozialarbeiter. Aber sie sind auch als Mediziner, als Psychiater, als Anwalt, als Anlage- und Steuerberater gefragt - und vor allem als Detektiv. Es gibt etwa 9000 hauptberufliche Betreuer, die sich auf Beschluss von Vormundschaftsrichtern um etwa 1,2 Millionen betreuungsbedürftige Menschen kümmern. Für die "ZDF.reportage: Ein knallharter Job - Aus dem Alltag eines Betreuers" am Sonntag, 10. April 2011, 18.30 Uhr, hat Mathias Welp einen von ihnen begleitet: Wolfram Beseler arbeitet seit Jahrzehnten als Betreuer in Köln. Welp zeigt ihn im Kampf gegen die stetig wachsende Flut von Paragrafen. Allzu oft würde Beseler gerne viel effektiver helfen, als es die Vorschriften erlauben. Besonders die allein gelassenen und vergessenen Alten machen ihm zu schaffen. "Der Anblick von verwahrlosten Menschen und Wohnungen ist mir geläufig", sagt Beseler. Seine Aufgabe ist es, für psychisch Kranke, Behinderte und Altersverwirrte den Alltag zu organisieren und deren Geschäfte zu regeln.

Seit 2005 will das neue Betreuungsrecht die öffentlichen Kassen entlasten und zwingt die Betreuer durch geringe Pauschalsätze zu besonders "effizienter" Leistung. Einige Betreuer verwalten 150 Fälle und mehr am Schreibtisch, haben häufig ihre Betreuten noch nie gesehen. Wolfram Beseler betreut nur 19 Fälle - die aber intensiv und mit hohem persönlichem Einsatz.

Die "ZDF.reportage" von Mathias Welp bietet einen Einblick in den Alltag des Betreuers und liefert ein Bild der Kehrseite unserer modernen Leistungsgesellschaft. (Pressetext ZDF)
Beitrag anzuschauen in der ZDF-Mediathek

Fachkräfte der Sozialen Arbeit können Qualifikation zur Pflegeberatung durch den Eintrag im Berufsregister für Soziale Arbeit nachweisen

Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, die bereits in Pflegestützpunkten tätig, sind können ab sofort einen Antrag auf Eintrag in das Berufsregister für Soziale Arbeit für die neu eingerichtete Kategorie „Pflegeberatung“ stellen. Mit einer erfolgreichen Registrierung werden die in den Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes festgelegten Qualitätsanforderungen für Pflegeberaterinnen und Pflegeberater gemäß §7a SGB XI nachgewiesen.

Durch das Pflegeweiterentwicklungsgesetz wurde ab Januar 2001 der Anspruch auf eine umfassende Pflegeberatung im Sinne eines individuellen Fallmanagements eingeführt. Ge-setzlich festgelegt wurde, dass die Pflegekassen für diese Aufgabe entsprechend qualifizier-tes Personal, insbesondere Pflegefachkräfte, Sozialversicherungsfachangestellte oder Sozialarbeiter mit einer jeweils erforderlichen Zusatzqualifikation, einsetzen müssen. In der Regel erwerben Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bereits im Studium die erforderlichen Kenntnisse, die für Pflegeberatung notwendig sind. Lediglich das erforderliche Pflegepraktikum ist für Fachkräfte der Sozialen Arbeit zusätzlich abzuleisten.

Eine Möglichkeit für bereits in der Pflegeberatung tätige Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, um die in den Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes nach § 7a Abs. 3 Satz 3 SGB XI zur Anzahl und Qualifikation der Pflegeberaterinnen und Pflegeberater festgelegten Qualifikationsanforderungen nachweisen zu können, bieten nun der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) und die Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (DVSG) durch einen Eintrag in das Berufsregister für Soziale Arbeit. Grundlagen für das Berufsregister für Sozialarbeit sind festgelegte Qualitätskriterien. Der regelmäßige Besuch von zertifizierten Fort- und Weiterbildungen ist eine wesentliche Voraussetzung für einen Eintrag.

Pflegeberater mit einem abgeschlossenen Studium der Sozialen Arbeit können einen Antrag beim Berufsregister in der Kategorie Pflegeberatung stellen und müssen die erforderlichen Nachweise ihrer Qualifikation erbringen. Ein Eintrag in das Berufsregister erfolgt nach einer Prüfung der Anträge durch eine Zertifizierungskommission, die von Experten der DVSG besetzt ist. Die Zertifizierung gilt danach fünf Jahre und kostet für DBSH- bzw. DVSG-Mitglieder 60,- € pro Jahr, für nicht organisierte Fachkräfte das doppelte.

Beide Verbände empfehlen Fachkräften der Sozialen Arbeit, die bereits als Pflegeberater tätig sind, schnellstmöglich einen Antrag beim Berufsregister für Soziale Arbeit zu stellen, da der § 7a SGB XI einen Qualifikationsnachweis bis spätestens 30. Juni 2011 vorschreibt. Für Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, die in anderen Bereichen tätig sind und sich für die Pflegeberatung qualifizieren wollen, wird von beiden Verbänden ein entsprechendes Fortbildungsmodul geplant.
Weitere Informationen zum Berufsregister:
http://www.berufsregister.de

Fachkräftebefragung zur Beschäftigungssituation in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg wurde eine Fachkräftebefragung zur sozialen und berufliche Lage von dem Kollegen Dr. Herwig Grote im Auftrag der GEW Berlin durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am 3. Mai veröffentlicht. Rund 600 Fachkräfte haben sich an dieser Befragung beteiligt.
Die Ergebnisse der Befragung überraschen nicht: Beschäftigte, die im Geltungsbereich des TVöD arbeiten, verdienen mehr und fühlen sich auf ihrem Arbeitsplatz und in ihrer Familienplanung sicherer, prekäre Arbeitsverhältnisse sind eher im Bereich der freien Wohlfahrtspflege, bei gewerblichen Trägern und bei Selbständigen festzustellen.
So verdienen Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst im Durchschnitt 1.874 Euro netto, Fachkräfte in freier Trägerschaft dagegen nur 1.471 Euro. Noch dramatischer ist der Vergleich mit Beschäftigten mit gleicher Ausbildung in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Sie verdienen 2.030 Euro.

Besonders negativ, auch in Bezug auf die anderen befragten Kriterien scheint sich die Situation bei den Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes darzustellen.

Gleichwohl weist die Studie einige Schwächen auf: Reflektiert wird in der Hauptsache die Situation in Berlin und Brandenburg, wohl auch wegen der relativ geringen Zahl der Befragten wird keine Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Trägern der freien Wohlfahrtspflege vorgenommen. Auch der Vergleich der Nettolöhne ist problematisch, da deren Höhe auch durch das Ehegattensplitting und Kinderfreibeträge beeinflusst wird. Auch werden, sicher wieder geschuldet der geringen Zahl der Teilnehmenden, keine direkten Vergleiche von Beschäftigten in gleicher Situation vorgenommen: Im Bereich des TVöD bestehen überwiegend noch Besitzstände in Übertragung der früheren BAT-Bedingungen die, ebenso wie die von der Beschäftigungsdauer abhängigen Erfahrungsstufenzuschläge, eigentlich nur Einkommensvergleiche bei gleicher Dauer der Berufserfahrung zulassen.

Angesichts des Mangels an Berufsforschung in der Sozialen Arbeit aber ist die Studie ein erster Anfang, der bereits jetzt auf erhebliche Benachteiligungen der Beschäftigten in diesem Arbeitsfeld, und hier noch einmal in Bezug auf unterschiedliche Träger und Diskriminierungen im Kontext von Gender, Herkunft und Alter hinweist.
Downloadmöglichkeiten:

Altenhilfe – Arbeitsmarkt auch für die Soziale Arbeit

2007 waren in der Altenhilfe 8.140 SozialarbeiterInnen, 5.205 Menschen mit pflegewissenschaftlichem Abschluss und 3.860 Heilpädagogen resp. –Erzieher beschäftigt. Insgesamt arbeiteten 2007 in Pflegeheimen 573.545 und im ambulanten Bereich 236.162 Menschen. Die insgesamt 809.707 Beschäftigten werden zunehmend von privaten Trägern eingesetzt. 2007 befanden sich 39% der stationären und 60% der ambulanten Pflegeeinrichtungen in privater Trägerschaft, 2009 waren es bereits 40% bei den stationären sowie 62% bei den ambulanten Diensten. Damit verlieren freie Wohlfahrtspflege und öffentliche Träger im Bereich der Altenhilfe zunehmend an Bedeutung. Pressemitteilung des Stat. Bundesamtes vom 22.11.2010 und verweisendes Material)

Wachsende Selbständigkeit

Die „Solo-Selbständigkeit“, der oftmals unter prekären Bedingungen nachgegangen werden muss, hat sich erheblich ausgeweitet. Das statistische Bundesamt zählte für 2008 im Bereich der "sonstigen Sozialen Berufe" (PflegerInnen, SozialarbeiterInnen) 24.900 sog. „Solo-Selbständige“. 10 Jahre zuvor waren es nur 6.700. (Kai Kelleter, Selbständige in Deutschland, Ergebnisse des Mikrozensus 2008, aus: Wirtschaft und Statistik, Statistisches Bundesamt, 12/2009, S. 1208 f)
Folgt man dem Mikrozensus 2009 so hat sich das Bild der Selbständigkeit in der Sozialen Arbeit noch einmal verschoben: Danach arbeiteten 2009 im Bereich soziale Berufe bereits 72.000 Erwerbstätige, davon 15.000 als Sozialarbeiter und 8.000 als Altenpfleger. Dies lässt darauf schließen, dass die Mehrzahl der Selbständigen in Sonderfeldern wie Heilpädagogik, Weiterbildung, Erlebnispädagogik, usw. tätig ist. Mikrozensus 2009, a.a.O., Tabelle 3.7, S. 102)

Podcast Fernsehtipp: BEAMTE – Die andere Seite des Schreibtischs

“Es gibt viele Filme, die sich mit den ,Opfern‘, den ,Fällen‘, den ,Einzelschicksalen‘ von Ämtern beschäftigen. Dieser Film schaut auf die andere Seite des Schreibtischs und zeigt, was die Mitarbeiter des Jugendamtes machen, bevor sie wieder im Fernsehen auftauchen, wenn spektakulär über verwahrloste Kinder berichtet wird und das Amt angeblich nichts gemacht hatte. Nicht ohne Grund gibt es selten Filmaufnahmen von der täglichen Arbeit. Beamte lassen sich bei ihrer Arbeit ungern über die Schulter gucken.

story-Autorin Eva Müller hat es genau deshalb versucht. Eine Woche in: Jugendamt,
Arbeitsamt und Finanzamt: Sehr empfehlenswert!
http://medien.wdr.de/download/1284379910/diestory/wdr_fernsehen_diestory_20100920.mp4

Wohlfahrtsbranche vervierfacht

 „Die kirchlichen Arbeitgeber gehören zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland – noch vor den großen Industrieunternehmen“, so schreibt die „Deutsche Bank Research“ in einem Briefing von 16.11.2010. Im Jahr 2008 beschäftigte die freie Wohlfahrtspflege 1,54 Mill. Menschen in 102.000 Einrichtungen. Dies entspricht einem Anteil von 5,6% an der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Research teilt die Wohlfahrtspflege in einen “marktfernen“, weil aus Spenden und Zuwendungen finanzierten Bereich, und in die „die wirtschaftlich insgesamt bedeutenderen Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens, sowie Kindertagesstätten, auf. Die Deutsche Bank schätzt den Umsatz in diesem marktnahen, sich der Konkurrenz stellenden Bereich auf EUR 38 Mrd. und geht von einer „soliden Wettbewerbssituation“ aus. Im Folgenden skizziert der Bericht wesentliche Entwicklungen in den einzelnen Segmenten der Wohlfahrtspflege, in Bezug auf Konkurrenz und Privatisierung sowie die weiteren Perspektiven und Anforderungen. Sehr empfehlenswert! Download:
http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000264932.pdf

Forsa-Umfrage im Auftrag des dbb: Mehrheit für höhere Steuern, wenn Ausgaben sinnvoll sind

Mehrheit für höhere Steuern, wenn Ausgaben sinnvoll sind
Eine Mehrheit von 69 Prozent bereit wäre, höhere Steuern zu zahlen, wenn der Staat diese Mittel für sinnvolle Maßnahmen einsetzen würde, so eines der Ergebnisse einer forsa-Umfrage, die der dbb (Deutscher Beamtenbund) in Auftrag gegeben hat. Was die Bevölkerung als sinnvoll erachtet, macht folgende Tabelle deutlich:
85 % für Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen
76 % für Angebote für Jugendliche
66 % für Polizei und Kriminalitätsbekämpfung
61 % für Familienhilfe
61 % für Wissenschaft und Forschung
60 % für die Gesundheitsversorgung
55 % für Umweltschutz
50 % für Angebote für ältere Menschen.

Damit stehen in der Sichtweise der Bevölkerung die Sicherung der wirtschaftlichen Entwicklung (Bildung) und soziale Anliegen im Vordergrund. Diese Ergebnisse entsprechen der Tendenz, die der DBSH mit einer Studie bereits für das Jahr 1997ermittelt hat. Gefragt hat der dbb auch danach, welche Berufsgruppen im öffentlichen Dienst zusätzlich eingestellt werden sollten. Schade: Interessiert haben den Beamtenbund u. A. Krankenpfleger, Lehrer, Polizisten und Feuerwehrmänner, nicht jedoch ErzieherInnen und Sozialarbeiter. Bleibt zu hoffen, dass der dbb bei einer nächsten Umfrage den Ausgabenpräferenzen der Bevölkerung auch in der Befragung nach Berufsgruppen gerecht wird. Download:
http://www.dbb.de/dbb-beamtenbund-2006/dbb-pdf/23774_q0588_text_Staatsfinanzen_PK-Fassung_n eu.pdf

GgmbH-fizierung der Sozialen Arbeit – umfangreicher als gedacht.

Nun greifen auch die großen Medien die Zunahme der prekären Beschäftigung im Wohlfahrtsbereich auf. Laut Bericht des „sterns“ drücken Einrichtungen der Diakonie die Löhne Zehntausender Beschäftigter. Überwiegend geschieht dies über GgmbH`s und diakonieeigene Zeitarbeitsfirmen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, geht davon aus, dass rund acht Prozent oder 35 000 Beschäftigte in der Diakonie in ausgelagerten Betrieben oder in Leiharbeitsunternehmen tätig sind. Nach Angaben der Mitarbeitervertretung liegt diese Zahl jedoch höher. Ihr Sprecher Michael Heinrich schätzt, dass rund 75 000 Menschen bei der Diakonie in ausgelagerten Betriebsteilen für Niedriglöhne arbeiten.
Quelle: „stern“ vom 12.1.2011: http://www.stern.de/wirtschaft/job/lohndumping-durch-leiharbeit-die-miesen-tricks-der-diakonie-1642522. html

Deutschlands beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2011 ausgezeichnet

Das Great Place to Work® Institut Deutschland hat am Donnerstagabend in Berlin in Kooperation mit der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA), dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs „Beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen 2011“ ausgezeichnet. Dabei ging es um die Qualität und Mitarbeiterorientierung von Kliniken sowie Pflege- und Betreuungseinrichtungen als Arbeitgeber:

Ganz vorne unter den besten Arbeitgebern im Gesundheitswesen konnten sich in der Kategorie „Kliniken“ die Heiligenfeld Kliniken aus Bad Kissingen (Bayern), das Katholische Klinikum Marienhof / St. Josef aus Koblenz (Rheinland-Pfalz) sowie das Klinikum am Weissenhof aus Weinsberg (Baden-Württemberg) platzieren.
Weitere Informationen:
http://www.greatplacetowork.de

Diskussionspapier der AGJ: Personalentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe. Herausforderungen für Leitungshandeln und Qualifizierung

Personalentwicklung dient der Pflege und Förderung von Mitarbeitenden – sei es zur Einarbeitung, zur Förderung von Motivation und Belastbarkeit oder zur Weiterqualifizierung für neue Aufgaben und Herausforderungen. Personalentwicklung gilt damit als ein wichtiger Faktor für die Leistungsfähigkeit sozialer Organisationen und Einrichtungen. Vor dem Hintergrund steigender und sich verändernder fachlicher Herausforderungen gewinnt Personalentwicklung eine zentrale Bedeutung im Kontext von Steuerung und Organisationsentwicklung sozialer Einrichtungen und wird zunehmend zu einer Aufgabe für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, welche auf unterschiedlichen Ebenen in vielfältigen Leitungsfunktionen tätig sind.

Mit dem Diskussionspapier „Personalentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe. Herausforderungen für Leitungshandeln und Qualifizierung“ beschreibt die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ aktuelle Anforderungen an Leitungskräfte in der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere unter dem Aspekt der (Qualifizierung für) Personalentwicklung als Leitungsaufgabe.

Das Diskussionspapier finden Sie unter:
http://www.agj.de/pdf/5/Leitungskraefte%20(2).pdf

Wohlfahrtsverbände: Glaubwürdigkeit zu verleihen

Das Prinzip „Leiharbeit“ entwickelt sich zum festen Bestandteil der der Personalpolitik der Wohlfahrtsverbände. Der nachfolgende Artikel berichtet von neuen Entwicklung bei AWO, Caritas und Diakonie:

Wirklich dumm gelaufen: Mit ihrer „Essener Erklärung“ wollte sich die Arbeiterwohlfahrt nach jahrelanger Anpassung an die Agenda-Politik des früheren Bundeskanzlers Schröder wieder bundesweit als Sozialverband positionieren, der für soziale Gerechtigkeit Partei ergreift. Vollmundig heißt es in dem am 1. Oktober beschlossenen Papier zum Thema Leiharbeit, sie soll „… auf die „Abdeckung von Auftragsspitzen und –schwankungen konzentriert werden.“ Weiter fordert die AWO: „LeiharbeitnehmerInnen sind den Festangestellten nach dem Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit gleichzustellen“.
Doch Anfang November wurde öffentlich, was bereits seit Juni 2008 bei der AWO in Essen Praxis ist: Neue MitarbeiterInnen für die Essener Altenheime werden nur noch eine „AWO-Service GmbH“ eingestellt und dann an die AWO verliehen. Mittlerweile sind 177 von 1150 MitarbeiterInnen Leiharbeitnehmer, und dies auf Dauer, und zu 12 % schlechterer Bezahlung. Mehr dazu:
http://www.dbsh.de/redsys/soztop/userpages/verleihwohlfahrt.html

Lehrer von Migranten leben prekär

Ein Schwarzbuch „Beschäftigung in der Weiterbildung“, das von der GEW vorgestellt wurde, belegt erschreckende Arbeitsbedingungen. So hat das Institut für Berufs- und Weiterbildung an der Universität Essen ermittelt, dass in der Weiterbildung befristete Stellen, niedrige Löhne und Honorare und unbezahlte Überstunden auf der Tagesordnung stehen. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter, die im Rahmen von öffentlich finanzierte Maßnahmen beschäftigt werden. Zu deren Hauptauftraggebern gehören die Bundesagentur für Arbeit ebenso wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), aber auch Länder und Kommunen. Das Schwarzbuch ist herunter zu laden unter:
http://www.gew.de/Binaries/Binary65354/Schwarzbuch_WB_4-9-2010_WEB.pdf

IAQ beobachtet Ausweitung des Niedriglohnsektors

Wie das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen in einer Studie feststellte, hat sich die Anzahl der unter der bundeseinheitlich bei 9,06 Euro pro Stunde angesetzten Niedriglohnschwelle arbeitenden Menschen im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 162 000 auf 6,55 Mio. erhöht, wobei vier von fünf der Betroffenen über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss verfügten. Im gleichen Jahr hätten mehr als 2 Mio. dieser Geringverdienenden weniger als 6 Euro pro Stunde erhalten, was in Ostdeutschland auf 12,8 % und im Westen auf 5,4 % der Beschäftigten zutreffe. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung werden vor allem in der Baubranche und der Gebäudereinigung die gesetzlichen Mindestlöhne häufig missachtet. Die Studie findet sich unter:
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2010/report2010-06.pdf

Zunahme von psychischen Erkrankungen

Bereits Ende Juli 2010 hat die Bundesregierung auf eine Anfrage von Abgeordneten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Zuname von psychischen Erkrankungen geantwortet. Die ausführliche Beantwortung deutet auf erhebliche Lücken in der Forschung hin, insbesondere bleiben mögliche soziale und materielle Ursachen für den Anstieg der entsprechenden Krankheiten weitgehend unbearbeitet. Die Anfrage verdeutlicht weiterhin, dass es im Zusammenhang zwischen Armut und psychischer Erkrankung keine und zwischen beruflicher Belastung (insbes. Im Sozial-, Pflege- und Gesundheitsbereich) kaum Projekte der Prävention vom Gesundheitsministerium gefördert werden. Die Anfrage (Drucksache 17/2663) kann hier herunter geladen werden:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/026/1702663.pdf

Zivis weg und schlechterLohn – Pflege in Not?

Die Pläne von Verteidigungsminister zu Guttenberg zur Bundeswehr bringen die Sozialen Dienste in Schwierigkeiten. Was bedeutet das zum Beispiel für die Pflege und Betreuung von alten und behinderten Menschen, wenn die zahlreichen Zivildienstleistenden wegfallen? Wer macht in Zukunft ihre Arbeit und zu welchem Lohn? Seit Jahren klagen die Sozialen Dienste der Kirchen und Wohlfahrtsverbände darüber, dass die Pflege- und Betreuungssätze nicht ausreichen, um die Personalkosten aufzufangen. So gliedern sie Geschäftsbereiche aus und setzen Leiharbeiter ein, um Tariflöhne zu umgehen. Und das, obwohl der Pflege- und Gesundheitsmarkt boomt, private Anbieter in den Markt drängen und qualifizierte Pflegekräfte längst Mangelware sind. Trotzdem wird diese Arbeit immer schlechter bezahlt. Was läuft schief in der Branche? Bericht des Nordwestradio vom 1.9.2010: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_unterwegs/audio39722-popup.ht ml

ErzieherInnen - bessere Ausbildung im Osten, weiter zu viele Kinder in der Gruppe, Akademisierung ohne Folgen, Prekarisierung nimmt zu ....

Ländermonitor Frühkindliche Bildung zeigt große Unterschiede zwischen Berufsqualifikation und Ausbildungsdauer

Bei der beruflichen Qualifikation des Personals in den Kindergärten hinkt der Westen den östlichen Bundesländern hinterher. Fast 90 Prozent aller pädagogischen Fachkräfte der Kindertageseinrichtungen in Ostdeutschland sind ausgebildete Erzieherinnen. In den westlichen Ländern verfügen weniger als 70 Prozent über diesen Fachschulabschluss, der eine mindestens vierjährige, meist jedoch fünfjährige Ausbildung erfordert. Im Westen haben annähernd 20 Prozent lediglich eine zweijährige Ausbildung als Kinderpflegerin oder Sozialassistentin absolviert. Zum Vergleich: Ihr Anteil macht im Osten weniger als ein Prozent des Kita-Personals aus. Das geht aus den Daten des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme 2010 der Bertelsmann Stiftung hervor, die im Internet abrufbar sind.
Besonders hoch ist den Zahlen zufolge der Anteil der Kinderpflegerinnen in Bayern (rund 37 Prozent), Schleswig-Holstein (rund 22 Prozent), Hamburg und im Saarland (jeweils knapp 20 Prozent). In frühkindlichen Bildungseinrichtungen werden sie meist als Zweitkräfte neben Erzieherinnen in Kita-Gruppen eingesetzt.

Seit 2007 hat sich das Ausbildungsniveau der pädagogischen Fachkräfte in Deutschland laut Ländermonitor kaum verändert. Insgesamt haben rund 72 Prozent einen Fachschulabschluss als Erzieherin, mehr als 13 Prozent einen Berufsschulabschluss als Kinderpflegerin und nur 3,5 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss. Die zahlreichen neu eingerichteten Studiengänge an Hochschulen haben zwischen 2007 und 2009 noch keinen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Hochschulabsolventinnen unter den Erzieherinnen bewirkt.
Weitere Analysen des Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme 2010 zeigen, dass zunehmend mehr Kita-Beschäftigte in Teilzeit tätig sind. Waren vor zehn Jahren noch über die Hälfte von ihnen in Vollzeit beschäftigt, liegt dieser Anteil nun unter 40 Prozent. Im Osten arbeiten hingegen 80 Prozent der Beschäftigten weniger als 38 Stunden pro Woche, im Westen sind es 56 Prozent.
Den Analysen des Ländermonitors zufolge ist insbesondere in den östlichen Bundesländern eine Erzieherin für zu viele Kinder verantwortlich. (PM 8.8.2010)
Weitere Informationen:
http://www.dbsh.de/redsys/soztop/userpages/laendermonitorbertelsmann2010.html

Berliner Caritas: Sozialarbeit ist “Zeitarbeit“

Bislang verstanden sich Caritasverband und katholische Kirche als „Dienstgeber“ mit hohem Anspruch: Von den MitarbeiterInnen wird eine Lebensführung erwartet, die dem Selbstbild der katholischen Kirche entspricht. Auch ist es den „Dienstnehmern“ untersagt, einen Betriebsrat zu gründen, es gibt keine mit den Gewerkschaften verhandelten Tarifverträge und keinen Arbeitskampf. Teile des Arbeitsrechtes gelten nicht. Möglich wird dies durch den Charakter als Tendenzbetrieb und das kirchliche Selbstbestimmungsrecht. Andererseits aber bemühte man sich um eine Vergütungsstruktur, die mit den Mitarbeitervertretungen ausgehandelt wurde und die höhere oder doch mindestens ähnliche Gehälter wie im öffentlichen Dienst vorsieht.
Doch mit diesem von den Kirchen als „dritter Weg“ beschriebenen Verfahren scheint es jetzt vorbei zu sein. Denn in den Diözesen Berlin, Fulda und Potsdam wird „geschleckert“: In Berlin erfolgen seit 2007 Neueinstellungen von Sozialarbeiter/innen fast nur über eine der Caritas gehörende „pro cura Service GmbH“ (nur noch neu einzustellenden Leitungskräften wird der kirchliche AVR angeboten).

Die betroffenen 84 SozialarbeiterInnen erhalten wesentlich niedrigere Gehälter und haben nur einen minimalen Kündigungsschutz. Die „pro Cura“ „leiht“ diese KollegInnen dann im Rahmen der „Arbeitnehmerüberlassung“ an die Dienststellen der Berliner Caritas aus. Besonders pikant: Bis Juni orientierte sich die Caritas-eigene GmbH an einen mit den sogenannten christlichen Gewerkschaften ausgehandelten Tarifvertrag („Bolero“) für Zeitarbeit mit besonders niedrigen Tarifsätzen. Im Juli wurde dann auf den „BZA-Tarif“ umgestellt, der zwischen DGB und Zeitarbeitsgewerbe ausgehandelt wurde und eine geringfügig bessere Bezahlung vorsieht. Doch das Ergebnis bleibt das Gleiche: Betroffene verdienen bis zu 700 Euro weniger als direkt bei der Caritas Beschäftigte. Mehr dazu in unserem Newsletter.
http://www.dbsh.de/Newsletter4-2010.pdf

Aktuelle Expertise zu Personalbedarf der Frühpädagogik auf Länderebene

Entgegen der vielfältigen öffentlichen Klagen über den drohenden Fachkräftemangel im Zuge des Ausbaus der Betreuungsangebote stellt der 2013 in Kraft tretende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr die Länder und Kommunen nicht zwangsläufig vor unlösbare Personalengpässe. Das ist ein zentraler Befund der im Auftrag der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) erstellten Expertise „Droht ein Personalnotstand? Der U3-Ausbau und seine personellen Folgen“. Die Autoren, Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts, und Dr. Matthias Schilling, wissenschaftlicher Leiter der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik an der Technischen Universität Dortmund, mit der das DJI einen Forschungsverbund unterhält, haben empirische Analysen und Modellrechnungen für den Personalbedarf in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege für die Jahre 2013, 2015 und 2017 für alle 16 Bundesländer vorgenommen. Deutlich wird dabei: Die Größe der Personallücke hängt stark von den landesspezifischen Gegebenheiten ab.
Wenn die politisch zugrunde gelegten Annahmen zum Rechtsanspruch zutreffen und im Bundesschnitt ab 2013 lediglich 35 Prozent aller Kinder unter 3 Jahren einen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen, werden die Länder in Ostdeutschland eher mit einem Personalüberhang konfrontiert sein. Hingegen müssen Niedersachsen, Hessen, Saarland, Bremen und Schleswig-Holstein voraussichtlich mit einer (deutlich unterschiedlich ausfallenden) Personallücke rechnen. Weitaus schwieriger wird sich in jedem Fall die Personalfrage in der westdeutschen Kindertagespflege gestalten. Hier werden bis 2013 zusätzlich 32.000 Tagespflegepersonen benötigt.
Download der Kurzversion der Expertise unter:
http://www.weiterbildungsinitiative.de/uploads/media/WiFF_Broschuere_zum_Personalnotstand_von_R auschenbach_Schilling.pdf

Nennen von Namen von JugendamtsmitarbeiterInnen im Internet

Immer wieder sind Eltern mit der Entscheidung eines Jugendamtsmitarbeiters nicht einverstanden. In einigen Fällen wird deren Namen im Internet genannt. Jetzt hat das Landgericht München entschieden, dass der Name einer Sozialarbeiterin im Internet nicht genannt werden darf, da im Rahmen der Abwägung zwischen Persönlichkeitsschutz und Informationsinteresse der Öffentlichkeit ein öffentliches Interesse nicht ersichtlich ist. Das Ziel der Auseinandersetzung mit dem Jugendamt und die entsprechende Bewertung sei auch ohne namentliche Nennung zu erreichen. (LG München I, Az: 35 O 9639/09, Urteil vom 19.11.2009)

AWO kauft Arbeitnehmern Rechte ab

MitarbeiterInnen, die sich nicht krank melden, erhalten seit 2003 vom AWO Regionalverband Halle – Merseburg und seinen angeschlossenen Gesellschaften eine „Anwesenheitsprämie“ von 900 Euro im halben Jahr. Mitglieder der Geschäftsführung sollen in besonderer Wertschätzung ihrer Anwesenheit in den Jahren 2008 und 2009 eine doppelt so hohe Prämie erhalten haben haben – 3.600,00 Euro im Jahr.

In den entsprechenden Grundsätzen wird die Prämie mit dem „Grundgedanken“ begründet, dass „MitarbeiterInnen, die mehr als andere im Betrieb anwesend sind, auch entsprechend mehr zum betrieblichen Erfolg beitragen.“ Letztlich würde eine maximale Anwesenheit Lohnfortzahlungskosten sparen, die „Beständ+igkeit der Ablaufprozesse“ fördern und „Qualität“ und „Kontinuität“ sichern. Anwesenheit diene auch der „Vermeidung zusätzlicher Belastungen der anwesenden MitarbeiterInnen“.
In Folge gehen die MitarbeiterInnen oftmals auch erkrankt zur Arbeit, schließlich „wolle man die Prämie nicht verlieren“ – je Tag der Erkrankung zieht die AWO 60,00 Euro von der Prämie ab.

Viele MitarbeiterÎnnen haben nicht wirklich die Wahl, auf die Prämie zu verzichten. Gemeinhin gilt die AWO, insbesondere in den neuen Bundesländern, als Arbeitgeber mit sehr niedrigem Lohnniveau. Zudem erfolgte bei der AWO in Halle-Merseburg seit 2003 keine Anhebung der Tarifgehälter. Recherchen von Forum SOZIAL ergaben, dass in Folge dieser Gehaltssituation die Prämie von vielen MitarbeiterInnen als Gehaltsbestandteil gesehen wird.

Gabriele Stark-Angermeier, 2. Vorsitzende des DBSH: „Es ist unglaublich, dass sich ausgerechnet ein Träger der freien Wohlfahrtspflege an der Aushöhlung von Errungenschaften des Sozialstaates und von Arbeitnehmerrechten beteiligt.“

Keine Antwort von der AWO
Wir wollten daher von der Geschäftsführung des AWO Regionalverband Halle – Merseburg wissen, wie sich eine solche Praxis mit den Grundsätzen eines sozialdemokratisch orientierten Wohlfahrtsverbandes vereinbaren lässt. 
So wird in den „Eckpunkten und Grundsätzen zur Verbandsentwicklung“ aus dem Jahr 2007 auf die Arbeiterbewegung und die damit verbundenen Werte der Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit verwiesen, während in den „Grundsätzen“ zur Prämie die Erkrankung von MitarbeiterInnen als „zusätzliche Belastung der anwesenden MitarbeiterInnen“ bewertet wird. Auch fragten wir nach dem Verständnis des Regionalverbandes von Prävention und Gesundheitsschutz. Die AWO war nicht bereit Stellung zu nehmen.

Arbeitsmarktsituation von SozialarbeiterInnen
16,1% weniger Erwerbslos, dafür neue Arbeitsverhältnisse überwiegend in Teilzeit

Nach Jahren des Wachstums hatte sich die Stellensituation für SozialarbeiterInnen und –pädagogInnen im Zeitraum von 2002 bis 2005 zusehends verschlechtert, 2005 waren im Jahresdurchschnitt 24.666 KollegInnen erwerbslos.
Seit 2006 und insbesondere 2007 und 2008 hat die Erwerbslosigkeit wieder abgenommen. Im Jahresdurchschnitt 2008 waren nur noch 18.243 Erwerbslose gemeldet. Und trotz Krise waren im ersten Halbjahr 2009 im Durchschnitt lediglich 15.812 KollegInnen erwerbslos, das ergibt im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 ein Minus von 16,1%. Dagegen sank die Erwerbslosigkeit auf alle AkademikerInnen bezogen vom ersten Halbjahr 2008 zu 2009 lediglich um 2,5%.

Der Bestand an offenen und der Bundesagentur gemeldeten Stellen ist von 18.598 Stellen im Jahr 2004 auf 50.656 Stellen im Jahr 2008 angewachsen und stabilisiert sich, trotz Wirtschaftskrise, im Jahr 2009 auf hohem Niveau: Gab es im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres noch 25.245 offene Stellen, waren es im ersten Halbjahr 2009 noch immer 24.293 Stellen, die zur Vermittlung anstanden (ein Minus von 3,8%, während das Minus bei allen AkademikerInnen 10,9% und bei allen Beschäftigten 20,2% beträgt).
Wie viel Sozialarbeiter in „Ein-Euro-Jobs“ tätig sein müssen, ist den statistischen Auswertungen, nach einer Umstellung der Datengrundlagen bei der Bundesagentur für Arbeit, nicht mehr zu entnehmen.
Damit scheint die Soziale Arbeit eine relativ krisensichere Beschäftigungsperspektive zu bieten. Die Bundesagentur für Arbeit sieht als Ursache hierfür, dass sie kaum von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise betroffen ist, da der Gesundheits- und Sozialsektor, das Hauptbeschäftigungsfeld dieser Berufsgruppe, recht konjunkturunabhängig sei.

Zunahme von Teilzeitbeschäftigungen
Ein Hinweis, dass diesem Optimismus angesichts der Wirtschaftskrise, hohen Subventionen und zugleich ausbleibenden Steuereinnahmen und der besonderen Finanznot der Gemeinden mit Vorsicht zu begegnen ist, könnte die außerordentliche Zunahme von Teilzeitbeschäftigungs- verhältnissen sein. Ihr Anteil ist bei Sozialarbeitern und –pädagogen von den ohnehin schon hohen 33% im Jahr 2003 auf 40,4% im Jahr 2008 gestiegen. Damit bestimmen Teilzeitverträge das Regelarbeitsverhältnis in der Sozialen Arbeit. Und Teilzeitarbeitsverhältnisse gehen mit 83% überwiegend Frauen ein, geändert hat sich daran in den letzten acht Jahren nichts. Dies bestätigt eine Sozialarbeit, die sich in der Schnittestelle zwischen (Frauen-) Beruf und Familie bewegt. Erklären dürfte dies zum Einen, dass sich in der Sozialen Arbeit trotz „Frauenberuf“ überwiegend Männer in Leitungspositionen bewegen und zum Anderen, dass das geringe Einkommen in der Sozialen Arbeit den Verdienst des Partners als lohnenswerter erscheinen lässt. Von Geschlechtergerechtigkeit also keine Spur!

Arbeitsmarkt für Akademiker - Sozialarbeiter und Sozialpädagogen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte - Anteil Teilzeitbeschäftigte

Bestand zum 30. Juni des Jahres
Deutschland -  2000 bis 2008

 

Alle Beschäftigte

Sozialarbeiter, Sozialpädagogen

 

Teilzeitbeschäftigte

Alle

Teilzeitbeschäftigte

darunter Frauen

Insgesamt

Absolut

in %

Insgesamt

absolut

in %

Absolut

in %

2000

27.825.624

3.928.650

14,1

106.552

30.874

29,0

25.632

83,0

2001

27.817.114

4.119.534

14,8

109.923

33.701

30,7

27.986

83,0

2002

27.571.147

4.255.034

15,4

113.854

36.078

31,7

29.969

83,1

2003

26.954.686

4.287.928

15,9

116.128

38.351

33,0

31.914

83,2

2004

26.523.982

4.311.320

16,3

117.003

40.611

34,7

33.732

83,1

2005

26.178.266

4.364.644

16,7

118.497

43.009

36,3

35.709

83,0

2006

26.354.336

4.529.714

17,2

121.923

45.951

37,7

38.042

82,8

2007

26.854.566

4.773.168

17,8

126.030

49.584

39,3

40.995

82,7

2008

27.457.715

5.002.792

18,2

132.171

53.429

40,4

44.274

82,9

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2009-08

   

Exkurs: Datenmisere in der Sozialen Arbeit
Leider sind die Zahlen der Bundesagentur mit Ausnahme der Angaben über Erwerbslosigkeit und gemeldeten Stellen nur bedingt aussagekräftig. Das jahrzehntealte Berufskennziffernsystem umfasst einerseits auch einige nichtakademische Berufe unter „Sozialarbeit“ zusammen, während in anderen Tätigkeitsbereichen eine Schlüsselung der beruflichen Erstausbildung nicht erfolgt – etwa wenn Sozialarbeiter selbst in der Arbeitsvermittlung tätig sind, im Weiterbildungsbereich arbeiten oder spezialisierte – und anders geschlüsselte – Tätigkeiten in der Jugendhilfe übernehmen. Auch werden Selbständige und Beamte nicht in den Statistiken der Bundesagentur erfasst.
Was die Zahl der Beschäftigten angeht, sind die Daten des Mikrozensus und deren Bearbeitung durch die „Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik“ ergiebiger. Danach arbeiteten 2008 1,602 Millionen Menschen in den Arbeitsfeldern der sozialen Arbeit, bereits 2007 stellten sie einen Anteil von vier Prozent aller Erwerbstätigen. Noch 1980 betrug die Zahl der Beschäftigten lediglich 293.000 (= 1,1 Prozent der Beschäftigtenzahl insgesamt).
(Die im Folgenden genannten Daten wurden einem Vortrag von Dr. Matthias Schilling auf dem Bundeskongress Soziale Arbeit 2009 entnommen. Die genannten Daten selbst basieren auf den Mikrozensus verschiedener Jahrgänge; die wiederum von Ivo Züchner  zusammengestellt und berechnet wurden.)

 

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage, welche Berufsbereiche von dieser Entwicklung besonders profitiert haben. Zwischen 2003 und 2008 ist die Zahl der ErzieherInnen von 408 auf 492 Tsd., also um 21%. Die Zahl der Beschäftigten AltenpflegerInnen stieg im gleichen Zeitraum von 194 auf 475 Tsd., also um 144%. In im Bereich Soziapädagogik stieg die Zahl von 154 auf 290 Tsd., ein Anstieg um 88 Prozent!
Doch auch diese auf den Mikrozensus basierenden Daten geben keine Auskunft über die Ausbildung der hier Erwerbstätigen. Einen Hinweis könnten die Angaben des Mikrozensus über die Akademisierung der Beschäftigten in allen Arbeitsfeldern sein – sie lag 2007 (mit steigender Tendenz) bei 11,9% (FH) und 7,3% (Uni). Das wären dann etwas über 294.000 Personen.
Dagegen geht die Bundesagentur für Arbeit geht von einem Wachsen der Stellen für Sozialarbeiter von 106.552 im Jahr 2000 auf 132.171 im Jahr 2008 aus.

Tatsächlich dürfte die Zahl der Mitarbeiter in der Sozialen Arbeit mit akademischem Abschluss bei über 220.000 liegen.
Wie auch immer sich die genauen Zahlen darstellen, es ist von einem ungebrochenen Wachstum der Zahl der Beschäftigungsverhältnisse in diesem Arbeitsfeld auszugehen.

Arbeitsfelder
Gleichwohl sind die Zahlen der Bundesagentur ein wichtiger und aktueller Indikator, um Tendenzen zu erkennen. In diesem Zusammenhang interessant ist auch die Aufteilung der Arbeitsfelder.

Arbeitsmarkt für Akademiker - Sozialarbeiter und Sozialpädagogen
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen

Bestand zum 30. Juni des Jahres
Deutschland 2008

WZ08

Absolut

Anteil in %

[+]Gesamt

132.171

100,00

Beherbergung

370

0,28

Grundstücks- und Wohnungswesen

209

0,16

Verw. u. Führ. v. Untern. u. Betr.; Unt.berat.

472

0,36

Vermittl. u. Überlassung v. Arbeitskräften

548

0,41

Gebäudebetreuung; Garten- u .Landschaftsbau

131

0,10

Wirtschaftl. DL f. Unt. u. Priv.pers. a. n. g.

100

0,08

Öffentl. Verwalt., Verteidigung; Soz.vers.

26.883

20,34

Erziehung und Unterricht

13.794

10,44

Gesundheitswesen

8.691

6,58

Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime)

28.523

21,58

Sozialwesen (ohne Heime)

39.280

29,72

DL d. Sports, d. Unterhaltg. u. d. Erholung

244

0,18

Interessenvertr. + Vereinig. (o .Soz.we + Spo)

11.479

8,68

Sonstige überwieg. persönliche DL

158

0,12

Sonstige

1.289

0,98

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2009-08

   

Interessant ist die geringe Zahl der Beschäftigten im Bereich des „Gesundheitswesen“ mit 8.691 und der „Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben nebst Unternehmensberatung“ mit 472 Beschäftigten. So geht die Fachgruppe „Klinische Sozialarbeit“ von 40.000 Beschäftigten aus. Ein ähnliches Missverhältnis lässt sich auch im Bereich des Sozialmanagement vermuten, werden doch hier mittlerweile über 50 Master-Studiengänge angeboten. Selbst wenn die Beschäftigtenzahlen der Bundesagentur aufgerundet werden (im Verhältnis zur Gesamtzahl von 220.000), fällt die Beschäftigtenzahl weitaus niedriger aus, als von den Protagonisten der „klinischen“ Sozialarbeit und des Sozialmanagement propagiert. Damit scheint die Beschäftigungswirklichkeit Sozialer Arbeit weitaus bodenständiger zu sein, als von den Anhängern einer ökonomisierten oder am Einzelfall orientierten „behandelnden“ resp. therapeutischen Sozialarbeit gewünscht. Mit diesen Zahlen ist auch zu fragen, ob die Mehrzahl der angebotenen spezialisierten Master-Studiengänge tatsächlich zu entsprechenden Berufseinmündungen führen.
Die von den Protagonisten diverser Studiengänge immer wieder prophezeiten besonders attraktiven Arbeitsfelder lassen sich jedenfalls im Vergleich der Zuordnung zu bestimmten „Wirtschaftszweigen“ über die letzten 8 Jahre hinweg nicht erkennen. Lediglich in der Zuordnung zum Sammelbegriff „Sozialwesen“ gab es eine Zunahme der Stellen von ca. 3%. Damit dürfte deutlich werden, dass sich die Felder der Sozialen Arbeit immer weiter differenzieren.

Ein sehr viel differenzierteres Bild zur Entwicklung der Beschäftigungsperspektiven liefert, allerdings nur bezogen auf die Jugendhilfe, wieder die Dortmunder Arbeitsstelle zur Jugendhilfestatistik. Zwischen 2002 und 2007 sank die Zahl der Beschäftigten in der Jugendarbeit um 28,1%, in der amb. HZE um 12,5% und in sonstigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe um 11,3%, während die Zahl der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen um 1,9% stieg, insgesamt verzeichnete die Jugendhilfe 2,1% (umgerechnet auf Vollzeit-Stellen). Damit wird deutlich, dass das Stellenwachstum in der Sozialen Arbeit vor allem der Entwicklung in der Kindertagesbetreuung sowie in anderen Bereichen (wie z.B. Behindertenhilfe, Altenhilfe, Betreuung im Wirkungskreis des SGB II, usw.) zu verdanken ist.

Ohne auf letztendlich empirisch abgesicherte Befunde verweisen zu können, deutet sich die Tendenz an, dass sich Stellenwachstum vor allem in den Bereichen vollzieht, für die es neue sozialpolitische und rechtliche Bindungen gibt bzw. die vom demographischen Wandel unmittelbar betroffen sind. Dagegen ist die Anzahl der Stellen in den klassischen, weniger von rechtlichen und versorgenden Setzungen geprägte Beschäftigungsfeldern zurück gegangen.

Insgesamt bleibt jedoch festzuhalten: Trotz der sozialpolitischen Veränderungen der letzten Jahre haben sich, nach einem kurzen Einbruch, die Beschäftigungsperspektiven verbessert. Ein großer Teil des Stellenwachstums resultiert jedoch durch die zunehmende „Verteilzeitung“ in vielen Arbeitsfeldern.
Inwieweit die zu erwartende drastische Finanznot von Kommunen und Bundesländern (in Folge von Wirtschaftskrise und Verschuldungsgrenze) zur Verschlechterung führen wird, bleibt abzuwarten.

Dagegen haben sich die qualitativen Bedingungen zur Beschäftigung (hohe Teilzeitquote, zeitlich befristete Verträge, tarifliche Verschlechterungen, outsourcing, Arbeitsverdichtung, Zunahme psychischer Erkrankungen, usw.), wie alle Untersuchungen der letzten Zeit bestätigen, zusehends verschlechtert. Hinzu kommt die zunehmende Reglementierung und Technokratisierung der Arbeitsabläufe und –inhalte und damit verbunden die Versuche, zunehmend weniger qualifiziertes Personal einzusetzen. Das dies weitgehend ohne Wirkung auf die Zahl der Beschäftigten bleibt scheint Folge öffentlicher Diskussionen (etwa zum Thema Kinderschutz) und zugleich den immer komplexer werdenden Lebenslagen zu sein, die den Einsatz von Sozialarbeitern unausweichlich zu machen scheint. (Wilfried Nodes)

DBfK veröffentlicht Abschlussbericht zur Online-Umfrage „Wie sieht es im Pflegealltag wirklich aus? – Fakten zum Pflegekollaps“

Von Oktober 2008 bis Frühjahr 2009 hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) eine bundesweite Umfrage unter Pflegekräften zu ihrem beruflichen Alltag durchgeführt. Abgefragt wurden u. a. Aspekte der Personalausstattung, behindernde Faktoren in der täglichen Arbeitssituation und Einschätzungen der Zukunft der Pflegeberufe. Insgesamt beteiligten sich 3287 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Krankenhäusern, Pflegeheimen und der ambulanten Pflege. Der ausführliche Abschlussbericht ist jetzt veröffentlicht und steht als Download zur Verfügung unter:
http://www.dbfk.de/download/download/Abschlussbericht-Wie-sieht-es-im-Pflegealltag-wirklich-aus___.p df

Gesundheitsberichterstattung: Beschäftigte im Gesundheitswesen

Rund 4,3 Millionen Beschäftigte arbeiteten im Jahr 2006 im Gesundheitswesen. Das entsprach jedem neunten Arbeitsplatz in Deutschland. Charakteristisch für das Gesundheitspersonal sind eine hohe Frauenquote, die Arbeit in Schicht- und Nachtdiensten sowie an Wochenenden und Feiertagen und ein hoher Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Einen statistischen Überblick gibt Heft 46 der entsprechenden Themenreihe. Download

Soziale Arbeit und ältere Menschen

Gerade einmal 2.835 KollegInnen mit einem sozialarbeiterischen/-pädagogischen Abschluss waren 2007 in den ambulanten Pflegediensten beschäftigt. Dies entspricht einem Anteil von 0,6 Prozent. 6.605 KollegInnen arbeiteten im stationären Bereich, davon waren 4.145 in der sozialen Betreuung tätig, 1.130 sind als Heimleitung oder in der Verwaltung tätig. Der Anteil am Gesamtpersonal in der stationären Versorgung beträgt auch hier 1,2 Prozent. Diese Zahlen gehen aus der Pflegestatistik 2007 hervor, die Ende 2008 veröffentlicht wurde.

Zugleich ist die Soziale Arbeit mit einer älter werdenden Gesellschaft auch in vielen anderen Tätigkeitsfeldern befasst. Prognosen sprechen hier von einem zu erwartenden erheblichen Mehrbedarf an sozialen Dienstleistungen. Forum SOZIAL wird in seiner nächsten Ausgabe, die Anfang Juli erscheinen wird, das Thema „Soziale Arbeit und ältere Menschen“ (Arbeitstitel) aufgreifen.
Die Pflegestatistik 2007 kann herunter geladen werden unter:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&I D=1023269

Neue Expertise zur Fachkraft-Kind-Relation in Kitas

In deutschen Kitas gibt es zu wenig Personal, um die in den Bildungsplänen formulierten Ziele umzusetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die am 7. Mai 2009  in Berlin vorgestellt wurde.
http://www.jugendhilfeportal.de/wai1/showcontent.asp?ThemaID=5883

Mehr offene Stellen in Sozialarbeit und Sozialpädagogik

Im IV. Quartal 2008 waren die Folgen der globalen Wirtschaftskrise erstmals auch beim gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot in Deutschland zu spüren. Der Rückgang war allerdings schwächer als erwartet. Die Unternehmen konnten das ganze Ausmaß der Krise zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht absehen. Die Zahl der offenen Stellen lag mit knapp 1,1 Mio. um rund 130.000 niedriger als im Herbst 2007.
Dagegen gebe es reale Zuwächse im Sozialbereich: "Bei den sofort zu besetzenden offenen Stellen kommen neuerdings nach den Ingenieurberufen bereits an zweiter Stelle die sozialen Berufe. Darunter fallen beispielsweise Stellen in den Bereichen Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Erziehung sowie Alten- und Krankenpflege. Auf ganz Deutschland hochgerechnet erwarten 63.000 Arbeitgeber in den kommenden drei Jahren einen steigenden Bedarf in den sozialen Berufen, und mehr als die Hälfte von ihnen befürchten sogar Engpässe bei den Arbeitskräften." (So die Bundesregierung am 28.5.2009 unter
http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Content/DE/Artikel/2009/05/2009-05-28-arbeitslosigkeit-leicht- gesunken.html.
Eine genauere Analyse nebst Tabellen findet sich beim Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.
http://www.iab.de/194/section.aspx/Publikation/k090515a01

Gesundheitliche Belastung von Erzieherinnen und Erziehern senken!

Dies fordern zwei Wissenschaftlicher im Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. Der Verband verweist darauf, dass „die berufliche Belastung und Beanspruchung von Erzieherinnen und Erziehern vor dem Hintergrund des Tarifkonflikts gegenwärtig öffentlich diskutiert“ wird um dann festzustellen: „Tatsächlich ist diese Berufsgruppe einer Kombination besonderer gesundheitlicher Gefährdungen ausgesetzt:

Diese fänden vor dem Hintergrund von Personalverknappung und Arbeitsverdichtung statt. „Geradezu wie im arbeitsmedizinischen und arbeitspsychologischen Lehrbuch kommt es bei hoher Arbeitsanforderung und geringer (nicht nur materieller) Entlohnung ohne adäquate Stärkung der mitarbeitereigenen Ressourcen und oftmals mangelnder wahrgenommener Wertschätzung zu übermäßigem „Personalverschleiß“ und hohen Arbeitsunfähigkeitszeiten“.

Der Verband verweist auf das im Februar 2009 geänderte  Arbeitsschutzgesetz von 1996 und die sich damit ergebende Möglichkeit der Gefährdungsbeurteilung, die vom Betriebsarzt unterstützt werden könne. Die Pressemitteilung des Verbandes findet sich unter unter:

Hörschäden und Jugendarbeit

Auf der Grundlage seiner Diplomarbeit zum Thema "Musikbedingte Hörschäden und Jugendarbeit" hat der Autor, Thilo Ebbighausen, eine sehr informative Homepage entwickelt.
Hier finden sich Tipps, Infos und Links rund um die Themen Vermeidung von Hörschäden durch Musik oder Lärm und & Lärmprävention in der Jugendarbeit.
http://www.laermpraevention.de/

Nur wenige Männer arbeiten im Bereich der Kinderbetreuung

Der Anteil von Männern unter den Beschäftigten in Kindertagesstätten und Grundschulen ist gering. Das teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort (16/11380) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (16/10976) mit. Demnach seien im März 2007 beispielsweise in Tageseinrichtungen nur drei Prozent der Beschäftigten Männer gewesen. Der Bundesregierung ist bewusst, dass Männer im pädagogischen Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen nur sehr langsam Fuß fassen. Ein Grund dafür sei, dass die Aufgabe der Kinderbetreuung traditionell als weibliches Berufsbild gelte. Schuld seien aber auch die „wenig attraktiven Arbeitsbedingungen". So seien unzureichende Bezahlung und fehlende Karrieremöglichkeit typisch für diesen Berufszweig.

Unterschiede hinsichtlich des Männeranteils macht die Bundesregierung in verschiedenen Altersgruppen aus. So liege der Männeranteil bei den bis 25-jährigen pädagogisch Arbeitenden deutlich höher. Dies sei allerdings auch auf die zahlreichen Praktikanten und die jungen Männer im Freiwilligen Sozialen Jahr zurückzuführen. Die Regierung weist in ihrem Bericht auch auf erhebliche regionale Differenzierungen hin: In den Stadtstaaten Bremen (9,5 Prozent) und Hamburg (8 Prozent) liege der Männeranteil deutlich über dem Durchschnitt. Bezüglich der Qualifikation stellt die Bundesregierung fest, dass überdurchschnittlich viele männliche Fachkräfte einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss besäßen, sich andererseits oft noch in der Ausbildung befänden, eine fachfremde Berufsausbildung absolviert hätten oder über gar keine Berufsausbildung verfügten. Männer in Kindertageseinrichtungen seien damit häufiger Quereinsteiger, heißt es in der Antwort.
Quelle: heute im bundestag vom 26.1.2009

Personalsituation in der Jugendhilfe

Zunehmend gerät die Personalsituation in der Sozialen Arbeit, und insbesondere in der Jugendhilfe in den Blickpunkt nicht nur der Fachöffentlichkeit (wir berichteten). Mittlerweile liegen erste bundesweite Einschätzungen vor, auch wenn damit noch keine Aussage über die Situation in den jeweiligen Regionen getroffen werden kann.

So hat die Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendhilfe (AGJ) hat mit dem vorliegenden Papier vom November 2008  "Personal in der Kinder und Jugendhilfe - Herausforderungen und Perspektiven" sowohl versucht, zu differenzieren als auch generelle Trends aufzuzeigen. Dabei stützt sich die AGJ auf  Zahlen aus der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder.- und Jugendhilfestatistik bzw. entsprechenden Sonderveröffentlichungen. Für den Bereich der Kindertagesbetreuung ist eine getrennte Betrachtung vorzunehmen. Die jeweiligen Dokumente finden Sie unter:

Social workers most at risk from workplace violence

Social workers and health workers report the highest level of exposure to threats of workplace violence according to a new report from the European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions.
The incidence of threats is higher than for health professionals and teachers, the next highest groups, and more than twice the rate for the average European worker. Workers in the European education sector, particularly teachers, are also exposed to higher levels of workplace violence of all types (threats of violence, actual physical violence, and bullying and harassment).

There is also evidence that these high risk professions experience higher levels of emotional and intellectual demand in their work, arising in many cases from frequent social contact, which are both a consequence of, and a contributing factor to, higher levels of exposure to violence.
Workers in these sectors are also more likely to report having the psychosomatic symptoms associated with workplace violence, and to take more health-related leave.

 

Das Risiko psychischer Erkrankungen ist für SozialarbeiterInnen besonders groß



These are some of the conclusions from a new background paper from Eurofound, ‘Violence in the education sector’, drafted in response to a request from the European Trade Union Committee for Education. Data, taken principally from Eurofound’s fourth European Working Conditions Survey, indicate that a high proportion (more than 20%) of teachers in Austria, Belgium, Denmark, France, Ireland, Luxembourg and the UK report being exposed to threats of physical violence.

Commenting on the findings, IFSW President David N Jones said „These findings are drawn from European surveys covering several years. The findings are not new but the risks run by social workers are little understood by the general population. Already this year at least 2 social workers have been murdered in the world.

„Social workers perform one of the most demanding jobs in our societies“, David N Jones continued, „working with people and groups who have some of the most complex, difficult and challenging personal and social problems. Social workers cannot do our job in isolation, behind heavy glass screens. We have to be out meeting people. However employers have a duty to ensure that working practices protect social workers and do not put them at serious risk.“

Violence in the education sector - Background paper:
http://www.eurofound.europa.eu/pubdocs/2008/74/en/1/EF0874EN.pdf

Jugendhilfebarometer: Arbeitssituation und Personalbemessung im ASD – die Überlastung wächst

Im Rahmen des Projekts „Jugendhilfe und sozialer Wandel“ wurde das Konzept einer Online-Erhebung bei Jugendämtern entwickelt. Im November 2007 startete eine Vollerhebung bei allen Jugendämtern mit dem Thema der „Arbeitsorganisation im ASD“. Erste Ergebnisse liegen nunmehr vor:

Im Durchschnitt verwenden die Kollegen 54% ihrer Arbeitszeit für Einzelfallarbeit, 25% für Verwaltung und Organisation, 8% für Vernetzung, 8% für fachlichen Austausch und 5% für andere Aufgaben. Bei Jugendämtern mit überdurchschnittlicher Organisationsarbeit (54% der Jugendämter) geht dies zu Lasten von Einzelfallarbeit und fachlichen Austausch.

Die Personalbemessung orientiert sich an der Fallzahl (62%), Sozialindikatoren (58%), Sonstige (meist Personalbemessung nach Einwohnerzahl) (48%) und Etat (17%). Am häufigsten (38%) wird die Kombination Fallzahl pro Vollzeitstelle und Sozialindikatoren herangezogen. Bedenklich ist, dass bei 4% der ASD Personalbemessung nur über den Etat gesteuert wird, und 37% der ASD mit einen sozialraumorientierten Profil keine Sozialindikatoren zur Personalbemessung heranziehen.
In 6% der ASD kam es zu einer Verringerung der Stellen, bei 49% ist der Personalstand gegenüber 2005 gleich geblieben und bei 44% hat es einen Stellenzuwachs gegeben.

Demgegenüber meinen 53% der ASD, das vorgenommene Veränderungen in der Bezirkssozialarbeit zu stärkeren Belastungen geführt haben, 47% sprechen von häufigen organisatorischen Veränderungen, die Einführung von EDV sahen nur 13% als Entlastung.

Die Untersuchung empfiehlt „die Arbeitssituation der MitarbeiterInnen stärker als bisher im Blick zu haben“. So beschreiben 98,2% der ASD eine Verdichtung ihrer Tätigkeit, 94% der Ämter geben an, dass die psychische Belastung zugenommen hat, in 63% der ASD gibt es Überlastungsanzeigen. Diese korrespondieren mit der Anzahl der Einwohner im Jugendamtsbezirk und der Anteil der MitarbeiterInnen mit einem Alter über 60 Jahren, die auf körperlichen und psychischen Dauerstress sensibler reagieren. Als besonders belastend werden Spezifika bei Adressaten, jugendamtsinterne Entwicklungen (Abläufe, Controllingprozesse, Aufgabendefinitionen, usw.), sozialstaatliche Veränderungen, Kooperationen und die öffentliche Wahrnehmung (negatives Bild, keine Anerkennung, usw.) empfunden: „Die als besonders belastend genannten Aufgaben haben alle gemeinsam, dass die Fachkraft des ASD zwar die Verantwortung trägt, aber durch ihre Aufgabe strukturell überfordert ist. …“, so die Studie. Und weiter: „… damit wird deutlich, dass eine Verringerung der Arbeitsmenge durch Priorisierung der Fälle mit Hinblick auf ihr unmittelbares Gefährdungspotential … die Arbeitsbelastung nicht verringert, sondern erhöht.“ So werden besonders sozialstaatliche Entwicklungen als Belastung beschrieben, Armut werde nicht nur zu einem Problem der in Armut lebenden, „sondern auch für die Berufsgruppen, die mit diesen Menschen arbeiten“.

In Folge bleiben in sechs von zehn ASD Arbeiten unerledigt liegen, zum Teil dauere es bis zu 16 Wochen, bis nach Hilfeplanentscheid eine Hilfe beginnt. Bei 40% der ASD steigen die Krankheitstage, 25% gehen als Ergebnis dieses Kreislaufes davon aus, dass es zu mehr Fehlern kommt.

Weitere Inhalte der DJI-Untersuchung beziehen sich auf eine Beschreibung des ASD, des Profils der Bezirkssozialarbeit, der Mitarbeiterstruktur und versuchten bzw. möglichen Entlastungsstrategien.
Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Untersuchung und ein „Muss“ für alle verantwortlichen Akteure nicht nur in der Jugendhilfe. (wn)
Download:
http://www.dji.de/bibs/64_9515_ASD_Bericht.pdf

Kinder- und Jugendhilfe: Abbau auf allen Ebenen

Zum Jugendhilfetag 2008 meldete sich `Komdat´ – die „Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe“ - mit einem Sonderheft zur Personalsituation und –entwicklung in der Jugendhilfe zu Wort. Folgende Trends sind der Zusammenstellung von Daten und Artikeln zu entnehmen:

Neben diesen und weiteren Daten zum Stellenumfang enthält die „Komdat“-Zusammenstellung zahlreiche Informationen zur Situation in den einzelnen Arbeitsfeldern der Kinder und Jugendhilfe und zur Qualifikation der Beschäftigten.

Qualifikation
Erfreulich ist zunächst einmal, dass der Anteil der Beschäftigten mit einer beruflichen Qualifikation auf 92,6% (West) und 97,7% (Ost) angestiegen ist. Immerhin 80,3 (West) resp. 87% (Ost) haben eine sozialpädagogische Grundqualifikation. Der Anteil der Akademiker ist auf 19,2/13,1% gestiegen, eine akad. Sozialpädagogische Qualifikation hatten 2006 14,8/9,2%. Damit ist die Fachkräftequote zwischen 1998 und 2006 um ca. 6% gestiegen, die Quote mit einem akad. Abschluss um mehr als ein %. Damit, so Thomas Rauschenbach und Matthias Schilling befinde sich die Kinder- und Jugendhilfe weiter auf dem Pfad ihrer Verberuflichung, Verfachlichung, Akademisierung und Professionalisierung.

Kinder und Jugendhilfe
Die Zahl der Vollzeit-Fachkräfte in den Handlungsfeldern der Kinder und Jugendhilfe hat sich zwischen 1998 (28.274) und 2006 (15.341) nahezu halbiert, während die Beschäftigten mit bis zu 15 Wochenstunden von 6.880 auf 8.860 gewachsen ist. Damit kann festgestellt werden, dass das Wachstum in der frühkindlichen Bildung und in der Schulsozialarbeit zu Lasten dieser Arbeitsfelder gegangen ist.

Frühkindliche Bildung
„Die Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege stellt das größte Arbeitsfeld in der Kinder- und Jugendhilfe dar, in dem ca. 70% aller Beschäftigten arbeiten“, so `Komdat`. Der beschlossene Ausbau der Betreuung der Angebot für die unter Dreijährigen erfordert bis 2013 einen jährlichen Ausbau von 70.000 Betreuungsplätzen. Es zeichnet sich ab, dass dieser Ausbau zu einem großen Teil abseits besonderer qualitativer Anforderungen geschieht. So waren im Jahr 2007 40.000 zwei-jährige in normalen Kindergartengruppen untergebracht – hier wurde lediglich die Altersgrenze von drei auf zwei Jahre gesenkt.

Im Jahr 20087 wurden 72.900 Kinder von 33.000 Tagespflegepersonen besucht, von denen nur ein Drittel über eine päd. Berufausbildung verfügt, 7,5% haben einen Qualifizierungskurs im Umfang von 160 Stunden absolviert. Demgegenüber verfügen 23% keinerlei pädagogische Qualifikation und 36% verfügen über eine Qualifizierung unterhalb von 160 Unterrichtsstunden.
Darüber hinaus wird, so `Komdat´, der Anspruch der Integration verfehlt, Kinder mit Migrationshintergrund besuchen überdurchschnittlich häufig Kitas mit vielen Migrationskindern.

Hilfen zur Erziehung
Ende 2006 waren in diesem Bereich 62.304 Beschäftigte zu zählen. Umgerechnet auf Vollzeitstellen sind dies 46.948 Stellen, dies entspricht einem Minus von 8% im Vergleich zum Jahr 2002. `Komdat´ spricht hier von einer „Trendwende“. Diese Trendwende umfasst alle Bereiche der Hilfen zur Erziehung. Deutlich wird aber, dass der Rückgang des Beschäftigungsumfangs nicht zu einem Rückgang der Ausgaben geführt hat, vielmehr sind die Ausgaben zwischen 2002 und 2006 um 18% auf zuletzt 1,2 Mrd. EUR gestiegen.
Insbesondere im Bereich der ambulanten Hilfen werden Veränderungen der Personalstruktur deutlich, anfallende Arbeiten werden anders verteilt: Die nebenberufliche Beschäftigung nimmt zu (von 11% (2002) auf 15% (2006) mit weniger als 16 Std. wöchentlich), diese Entwicklung betrifft besonders die soziale Gruppenarbeit, Erziehungsbestandschaften, Betreuungshilfen und SPFH mit Anteilen zwischen 19% und 27% (Freiberufliche Beauftragungen werden an dieser Stelle nicht erfasst).

Der wöchentliche Stundenumfang der geleisteten Hilfen hat sich bei niedrigem Niveau zwischen 2002 und 2006 weiter abgesenkt: Erziehungsbeistandschaften von 2,1 auf 2 Stunden; Soziale Gruppenarbeit von 3,5 auf 3,2 Std und SPFH von 3,4 auf 2,4 Std. `Komdat´ dazu: „Dieser Wert muss mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der Hilfe kritisch betrachtet werden“ und verweist auf eine Studie von fröhlich-Gildhoff/Engel/Rönnau (2006), die für die SPFH einen notwendigen durchschnittlichen Betreuungsumfang von 5 bis 10 Wochenstunden ermittelt haben.

Jugendämter / Allgemeiner Sozialer Dienst
Ende 2006 waren 33.552 Personen in kommunalen Jugendämtern tätig, umgerechnet auf Vollzeitäquivalente ist das Stellenvolumen von 2002 auf 2006 um 4,1% zurückgegangen. Allerdings relativiert sich diese Abnahme in der Umrechnung auf die kleiner werdende Zahl junger Menschen von bis zu 27 Jahren. Bundesweit kommen auf 10.000 Personen dieser Altersgruppe zwischen 1998 und 2006 jeweils 12 „Vollzeitäquivalente“ (Ostdeutschland 13). Allerdings hat die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 12% abgenommen, während die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 25% zugenommen hat.

Neben der Verwaltung (30,4%) ist der Allgemeine Soziale Dienst mit 24,2% der Beschäftigten der personalintensivste Bereich. Damit dürften ca. 8.124 Fachkräfte im ASD beschäftigt sein, dies entsprich 3 – 4 Fachkräfte je 10.000 junger Menschen im Alter von unter 27 Jahren. Die Quote schwankt in den Flächenländern zwischen fünf im Saarland und 1 bis 2 in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern.

Der ASD ist zugleich der Bereich mit den durchschnittlich ältesten Beschäftigten, was auch damit zu tun haben dürfte, dass die meisten MitarbeiterInnen (mit steigender Tendenz) eine akademische Ausbildung abgeschlossen haben (92% mit FH oder Uni-Abschluss als SozialarbeiterIn/-pädagogIn, in Ostdeutschland 72%).
Insgesamt gesehen weist `Komdat´ auf die unbefriedigende Datenlage in Bezug auf den ASD hin (Verlagerung an freie Träger, keine Korrekten Meldungen an die Statistik, unterschiedliche Aufgabenverteilungen).

ErzieherInnen
Ende 2006 waren bundesweit 293.000 ErzieherInnen in der Kinder- und Jugendhilfe tätig, 1998 waren es noch 268.626 (Anstieg 4,2%). Sie stellen mehr als die Hälfte aller Beschäftigten und 71% derjenigen, die über eine sozialpädagogisch einschlägige Ausbildung verfügen. 88% der ErzieherInnen arbeiten in Kindertageseinrichtungen, 8% in der Kinder- und Jugendarbeit. In Kindertageseinrichtungen arbeiten nur 2% männliche Erzieher, in den anderen Arbeitsfeldern sind es immerhin 25%.
Der Anteil der hochschulausgebildeten Fachkräfte in Kitas ist, entgegen der gegenwärtigen Diskussion, lediglich von 2,7% auf 3,2% gestiegen. Erfreulich ist dagegen, dass der Anteil der ErzieherInnen, die als Zweitkräfte arbeiten von 42% auf 51% (2007) gestiegen ist und damit der Anteil der Beschäftigten mit niedrigerer Qualifikation (Kinderpflegerinnen, Sonstige) gesunken ist.

Vollzeit sind mittlerweile nur noch 41% (1998 mehr als 50%) beschäftigt, was, so `Komdat´ dafür spricht, dass „die vertragliche Wochenarbeitszeit verstärkt der aktuellen Belegungssituation bzw. den Einrichtungserfordernissen angepasst wird“. Und weiter: „Diese Entwicklung erschwert es, den besonderen Anforderungen im Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen gerecht zu werden, …“

`Komdat´ zur Privatisierung
Einen besonderen Blick wirft die `Komdat´-Untersuchung auf die mit dem Entwurf zum Kinderförderungsgesetz (KiFöG) mögliche Privatisierung der Kindertageseinrichtungen. So ist die Zahl privater Einrichtungen zwar gestiegen, umfasst aber in zehn Ländern bei unter 0,5%, in vier Ländern bei 1% und lediglich in Hamburg bei 3,8% und in Mecklenburg-Vorpommern bei 3,6%. In diesen Ländern  ist die Förderung nicht gemeinnütziger Wirtschaftsunternehmen möglich. Allerdings handelt es sich auch hier nicht um klassische Unternehmen, sondern zu 2/3 um Einzelpersonen, die eine Tageseinrichtung betreiben. `Komdat´ bezieht sich in Bezug auf die neuen geplanten Regelungen des KiFöG auf ein Diskussionspapier der Bertelsmann-Stiftung, wonach in Australien der Anteil privatgewerblicher Anbieter nach deren Zulassung vor 14 Jahren auf 70% gestiegen ist: „Zumindest in Australien scheint die Kinderbetreuung dadurch zu einem lukrativen Betätigungsfeld geworden zu sein“.

Zusammenfassung
Die Jugendhilfe muss sich trotz wachsender Aufgaben, schwieriger werdenden Problemlagen und einem verstärkten öffentlichen Interesse mit einem erheblichen Stellenabbau auseinandersetzen. Ungebrochen scheint der Trend zur Flexibilisierung und Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse in der Jugendhilfe. Am Beispiel der frühkindlichen Bildung und Erziehung wird zudem die Bereitschaft der Politik deutlich, selbst minimale Basisqualifikationen nicht zu beachten.
Diese Tendenzen verdeutlichen, dass Soziale Arbeit verstärkt eigene Standards für ihre Handlungsfelder entwickeln muss. Und letztendlich an einer gewerkschaftlichen und berufsverbandlichen Stärkung kein Weg vorbeiführt.
Quelle:
http://129.217.205.15/akj/komdat/pdf/komdat32.pdf.

Der DGB stellt Jugend-Studie „Gute Arbeit“ vor.

Jüngere Beschäftigte haben es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer. Dies ist das Ergebnis der Sonderauswertung des Index Gute Arbeit für jüngere Beschäftigte unter dreißig Jahren. Sie müssen deutlich häufiger als ältere mit unsicheren und schlecht bezahlten Jobs vorlieb nehmen. Und junge Beschäftigte sind häufiger befristet beschäftigt oder arbeiten in Zeitarbeit. Zugleich sind die unter 30-jährigen deutlich besser ausgebildet als Ältere.

Siehe dazu:
a) Die DGB-Studie zur Arbeitsqualität von jungen Beschäftigten (pdf)
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/g/Gute_Arbeit_Index_Junge_Beschaeftigte.pdf
b) Zusammenfassung der DGB-Studie zur Arbeitsqualität junger Beschäftigter (pdf)
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/g/Gute_Arbeit_Index_Junge_Beschaeftigte_Zusam menfassung.pdf

Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitsberufe: Gesundheitliche Belastungen weiter am wachsen

Dezember 2007: Trotz allgemein zurückgehender Krankenstände, liegen diese bei „Gesundheitsdienstberufen“ (Berufe im „Gesundheitswesen“ mit Ausnahme der Ärzte und Apotheker) und bei sozialpflegerischen Berufen mit Krankenstandswerten von 3,8 % bzw. 3,6 % zum Teil deutlich über dem Durchschnitt. Von 2004 auf 2005 sind die Krankenstände jeweils um 0,1 % angestiegen. Der hohe Krankenstand in den Gesundheitsdienstberufen ist vor allem auf eine überdurchschnittlich hohe Erkrankungsdauer (13,4 Tage je AU-Fall) zurückzuführen. In der Sozialpflege ist wiederum die Fallhäufigkeit besonders groß.

„Berufsgruppen mit hohen Krankenständen sind vielfach erheblichen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt“ – so kommentiert der „DAK Gesundheitsreport 2007 diese Entwicklung, der im Februar 2007 erschienen ist und der auf der Basis der Auswertung der Daten der DAK-Mitglieder durch das IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH entstanden ist (Download: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/docs/DAK-Gesundheitsreport_2007.pdf).

Neueren Datums ist der Gesundheitsreport 2007 der IKK „Gesundheit in Zeiten der Globalisierung“, der im November des Jahres erschienen ist Download

Die besondere Qualität dieses Berichts liegt in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen wie: Krankheitsgeschehen in einer multinationalen Gesellschaft, Entwicklungen bei MigrantInnen, psych. Erkrankungen bei Männern, Arbeits- und Zeitmobilität, usw. – Im Ergebnis gibt der Bericht einen sehr guten Überblick über die gesundheitlichen Folgen der Globalisierungspolitik. Ein Verdienst des über 200-seitigen Gesundheitsreport ist der diversitätsorientierte Ansatz, aber auch die Diskussion entsprechender Präventionsstrategien. Daneben enthält der Bericht auch zahlreiche Daten, die sich auf die besondere Situation der IKK-Mitglieder beziehen, die in gesundheitlichen und sozialen Tätigkeitsfeldern beschäftigt sind.

Ähnlich wie die DAK stellt auch die IKK bei ihren Mitgliedern, die im Sozialwesen beschäftigt sind, höhere Krankenstände fest: Durchschnittlich war jedes beschäftigte und bei der IKK pflichtversicherte Mitglied 2006 12,4 tage krank (- 0,2 Tage zu 2005), Beschäftigte im Sozialwesen waren dagegen 14,7 Tage krank. Besonders hervorzuheben ist hier der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer brachten es auf 11,5 Arbeitsunfähigkeitstage, Frauen auf 15,7 Tage.

Grundsätzlich beobachtet die IKK, dass höher qualifizierte Tätigkeiten wesentlich seltener mit körperlichen Belastungen verbunden sind, und den Beschäftigten oft ein größeres Maß an individuellen Gestaltungs- und Einscheidungsspielräumen bieten. So hatten z.B. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler nur 3,9 (Männer) und 6,0 (Frauen) Arbeitsunfähigkeitstage. Dagegen kamen Sozialarbeiterinnen und Sozialpflegerinnen (Frauen) auf 16,3 Tage. Dies zeigt, dass in der Sozialen Arbeit die These, dass mit höherer Qualifikation mehr Gesundheit verbunden ist, so nicht zutrifft. Die IKK stellt hierzu auch fest, dass „psychische Erkrankungen 2006 im Gesundheits- und Sozialwesen mit 13 %, …, dem Erziehungs- und Unterrichtswesen (11,7 %) und der öffentlichen Verwaltung (11,3 %) einen bedeutsamen Einfluss auf das AU-Geschehen haben“. Als denkbare Ursachen führt die IKK an:

In diesem Zusammenhang bestätigt die IKK, das Beschäftigte im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie im Hotel- und Gaststättensektor von einem überdurchschnittlich hohen Grad an Mobbing und Belästigung berichten.
Damit wird deutlich, dass Prekarisierung, Arbeitsverdichtung und relativ hohe Erwerbslosigkeit im sozialen Beschäftigungssektor einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit haben.

Ein-Euro-Jobs in der Sozialen Arbeit

August 2007: Eine Veränderung in der Software der Bundesagentur für Arbeit und damit verbundene Anwendungsschwierigkeiten haben dazu geführt, dass wir – anders als für das Jahr 2005 – für 2006 und 2007 nicht mitteilen können, wie viele ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen mit Ein-Euro-Jobs „versorgt“ worden sind. Dafür lassen sich allgemeine Daten zu diesen Arbeitsgelegenheiten angeben, die berufspolitisch nicht minder brisant sind:
Im Juli 2007 sind 28.268 Ein-Euro-Jobber in der Kinderbetreuung und Jugendhilfe beschäftigt. Davon sind 12.195 männlich und 16.073 weiblich.
Weitere 18.974 sind in Erziehung und Bildung beschäftigt (10.401 männlich, 8.573 weiblich).
Da aber die Zahl der Ein-Euro-Jobs 2006 ihren Höhepunkt erreicht hat und sich auf diesem Niveau fortsetzt, und sich zugleich die Möglichkeiten Bedingungen einer durch die Arbeitsagentur geförderten Existenzgründung verschlechtert haben, kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der über Ein-Euro-Jobs beschäftigten Sozialarbeiter in 2006 und 2007 eher gestiegen ist. September 2005 wurden 458 KollegInnen über solche Arbeitsgelegenheiten beschäftigt. Sie tauchen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf.

Für eine neue Qualität der Arbeit in der Pflege

Juni 2007: In Deutschland wächst im Zuge des demographischen Wandels der Bedarf an professioneller Pflege. Zugleich sinkt jedoch die Zahl der Pflegenden. Mit dem Memorandum „Für eine neue Qualität der Arbeit in der Pflege“ präsentiert der INQA-Initiativkreis „Gesund Pflegen“ Wege aus diesem Dilemma.
Im Mittelpunkt des Memorandums stehen Leitgedanken einer Gesunden Pflege. „Gesunde Arbeitsplätze sind keinesfalls selbstverständlich. Arbeitsverdichtung und zunehmende Bürokratie sind nur zwei Faktoren, die zu psychischen und physischen Fehlbelastungen beim Pflegepersonal führen“, umreißt Dr. Gabriele Richter, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, vom INQA-Initiativkreis „Gesund Pflegen“ die Situation.
Dies schlägt sich in steigenden Fehlzeiten, Fluktuation, vorzeitigen Berufsausstiegen und Frühverrentungen, die deutlich über dem Durchschnitt der Erwerbsbevölkerung liegen, nieder. Laut europäischer NEXT-Studie (http://www.next.uni-wuppertal.de), denkt jeder fünfte Beschäftigte im Pflegebereich über einen vorzeitigen Berufsausstieg nach. Das Memorandum schlägt unter anderem die gezielte Gesundheitsförderung des Personals vor, um die Situation zu verbessern. „Nur eine gesunde Pflege ist zukunftsfähig und kann das wichtige Berufsfeld attraktiver machen“, betont Richter.
Die insgesamt neun konkreten Handlungsansätze reichen von der sicheren und gesunden Arbeitsumgebung über den Umgang mit schwierigen Situationen und Krisen bis hin zum Selbstmanagement der Pflegekräfte.
Das Memorandum kann herunter geladen werden über:
http://www.inqa.de/Inqa/Redaktion/Zentralredaktion/PDF/Publikationen/memorandum-gesunde-pflege,pr operty=pdf,bereich=inqa,sprache=de,rwb=true.pdf

Sozialberufe im Ausland

Die Zahl der Sozialberufler, die für eine gewisse Zeit im Ausland tätig sein wollen, wird immer größer. Dieser Trend wird sich im Zuge des Globalisierungsprozesses und der weiter fortschreitenden Internationalisierung – sowohl europa- als auch weltweit – fortsetzen. Für Berufsangehörige des sozialen Bereiches ergeben sich durch einen Auslandseinsatz vor allem zwei Vorteile: Berufserfahrung in einem neuen Bezugsrahmen und Lebenserfahrung in einem fremden Umfeld zu sammeln. Dies dient sowohl dem beruflichen wie persönlichen Weiterkommen.

Folgende Möglichkeiten gibt es für Sozialberufler im Ausland beruflich tätig zu werden:

Mittlerweile gibt es ein Informationsportal im Internet für Sozialberufler, die sich für einen Auslands- und Projektaufenthalt interessieren. Man findet dort Hinweise zur Auslandsarbeit und zu angrenzenden Themen, die als Grundlage für weiterführende Informationen zur Vorbereitung und Planung eines Auslandsaufenthaltes dienen. Angaben zu empfehlenswerter Literatur und interessanten Links sollen eine schnellere Recherche bei der Vorbereitung ermöglichen.

In Zukunft werden im Info-Portal Adressen von Projekten aufgelistet, die durch einen Auslandseinsatz unterstützt werden können. Bitte melden Sie sich, wenn Sie Einrichtungen oder Organisationen kennen, die Sozialberufler suchen und solche Aufenthalte ermöglichen.

Die Adresse des Info-Portals lautet: www.sozialberufe-im-ausland.de

Eigenständigkeit im Beruf hilft gegen Stress

Stresserscheinungen tauchen besonders häufig im Gesundheits- und Bildungswesen auf. Dies stellt ein Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Arbeitsbedingungen fest. Studien aus verschiedenen europäischen, darunter auch Deutschland wurden untersucht. Ganz allgemein wird festgestellt, dass besonders in Berufen mit niedriger Selbständigkeit und hohen Anforderungen wie im sozialen Bereich Stress besonders häufig auftrete. Der Arbeitsrhythmus, hoher Zeitdruck, mangelnde Beherrschung von Arbeitsabläufe und Eintönigkeit fördern die Stressanfälligkeit der ArbeitnehmerInnen. Positiv wirken sich die Einbeziehung der MitarbeiterInnen in Arbeitsabläufe und die Anerkennung ihrer Fachlichkeit aus. MitarbeiterInenn müssten ausreichend in organisatorische Anpassungen des Arbeitsumfeldes einbezogen werden. Bislang gibt es nach Angaben der Verfasser kaum Daten zu den Kosten von Stresserkrankungen. In Deutschland geht man davon aus, dass im Jahr 2001 nur für stressbedingte Fehlzeiten 3 Milliarden Euro anzusetzen sind.

Erfolg für Berufsregister in Großbritannien

Alle Sozialarbeiter, die in Großbritannien arbeiten wollen, müssen sich beim „General Social Care Counsil (GSCC) bis zum 1. April 2005 registrieren lassen. Das hat jetzt die britische Regierung angekündigt.
Zugleich will sie den Beruf im April 2005 so schützen, dass nur noch registrierte Sozialarbeiter die entsprechende Berufsbezeichnung tragen dürfen. Die englischen Berufsorganisationen sehen darin ein wesentlichen Schutz für die Nutzer der Sozialen Arbeit, für die hohen Standards des sozialen Bereichs und die Reputation der Sozialarbeiter selbst. Interessant auch die Äußerungen des Gesundheitsministers. Minister Stephen Ladyman betont die Wichtigkeit der Standardsicherung für den Sozialen Bereich, und dann wörtlich: “The protection of title legislation will put social workers on a par with other professionals in the health and social care field; recognised as having achieved a high level of training and bound by national codes of practice.”
Auch Sozialarbeiter aus anderen Ländern, die in Großbritannien arbeiten wollen, können sich jetzt registrieren lassen. Mehr dazu unter:
http://www.gscc.org.uk/index.asp

Schlecht und falsch auf die Berufspraxis vorbereitet...

Der xit-Monitor Sozialwirtschaft konfrontierte bei einer Umfrage Führungskräfte der Sozialwirtschaft mit Fragen zum Qualifikationsprofil von Sozialpädagogen. Die Hoffnungen, die diplomierten "Alles-ein-bisschen-Könner" besser auf die Berufspraxis vorbereitet zu erleben, haben sich danach nicht erfüllt. Sehr kritisch sehen die Befragten die Vorbereitung von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern auf ihren Beruf. Die Mehrheit beurteilt die Berufsvorbereitung durch das Studium als mittelmäßig, über ein Drittel sogar als schlecht bis sehr schlecht. Ursächlich hierfür sind nach Meinung der Führungskräfte vordringlich eine falsche Schwerpunktsetzung in den Ausbildungskonzeptionen und praxisferne Vorstellungen der Sozialpädagogen. Dementsprechend hoch ist der Anteil an Führungskräften, die Änderungen in der Ausbildung für notwendig halten (65 %). Als vordringlich wird erachtet, Praxiserfahrungen frühzeitig in die Ausbildung zu integrieren und besonderes Augenmerk auf die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen (Softskills) zu legen. Fachkenntnisse rund um die besonderen Rahmenbedingungen einer Organisation im Sozialbereich sollten ebenso verstärkt vermittelt werden. Die befragten Führungskräfte halten Softskills im Durchschnitt für wichtiger als Fachkenntnisse in Bereichen wie Betriebswirtschaftslehre oder Jura. Besonders wichtig für den Beruf des Sozialpädagogen sind in ihren Augen Flexibilität, Team- und Konfliktfähigkeit sowie Eigenverantwortlichkeit. Fazit: Studenten sollten die Praxis vor dem Studium besser und länger kennen lernen, eine Vorbereitung auf das angestrebte Berufsziel sollte frühzeitig erfolgen, die Verzahnung von Theorie und Praxis muss intensiviert werden, die Einarbeitungskonzepte (Trainings-on-the-job) der Arbeitgeber sind auf den Prüfstand zu stellen und die große Gewichtung der Softskills bedeutet auch, sich selbstkritisch die Frage nach Eignung und Potenzial zu stellen.

Jeder neunte Mitarbeiter in seiner Berufslaufbahn einmal gemobbt - SozialarbeiterInnen besonders betroffen

Mobbing ist kein Randphänomen der Arbeitswelt. Aktuell sind in Deutschland 2,7 Prozent also über 800.000 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von Mobbing betroffen. Das geht aus der ersten repräsentativen Studie "Der Mobbing-Report - Eine Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland" hervor. SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen und AltenpflegerInnen stehen an erster Stelle der Mobbingopfer. Ursache für Mobbing sind Mängel in der Arbeitsorganisation und die Qualität in den sozialen Beziehungen, vor diesem Hintergrund seien, so Bärbel Meschkurat, Autorin der Studie, weitere Forschungen notwendig, um die Beteiligung der Sozialen Arbeit zu erklären. Klar ist hingegen, wer mobbt: In 38 Prozent der Fälle ist es der Vorgesetzte alleine, in weiteren 12 Prozent gemeinsam mit den Kollegen. Mehr:
http://www.dbsh.de/redsys/soztop/userpages/mobbing.html

Sozialarbeit – ein Beruf ohne Rendite?

Wie das Magazin “Focus” berichtet sind Jura, Tiermedizin und Zahnmedizin die Studiengänge in Deutschland, die sich im späteren Berufsleben finanziell am stärksten auszahlen. Am wenigsten lohnen sich demnach die Fächer Bildende Kunst, Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Germanistik. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh hatte erstmals die Renditen für 25 Studiengänge errechnet. Danach erwirtschaften die Zahnmediziner mit 11,6 Prozent die höchste Rendite. Im Vergleich zu einem Abiturienten ohne Uni-Diplom verzichten die Zahnmediziner während ihres Studiums auf rund 190.000 Mark. Dafür kommen sie während ihres Berufslebens auf einen durchschnittlichen Zusatzverdienst von über 1,7 Millionen Mark. Überdurchschnittlich gute Gehaltschancen bieten der Studie zufolge auch Jura (mit 9,1 %), Tiermedizin, Maschinenbau sowie naturwissenschaftliche Fächer wie Physik und Chemie und die Wirtschaftswissenschaften. Kunststudenten und Sozialpädagogen schneiden in der Studie am schlechtesten ab. Trotz Studiums verdienen sie in ihrem Berufsleben sogar durchschnittlich weniger Geld als Abiturient ohne Uni-Abschluss. Insgesamt steigen laut CHE mit einem Universitätsabschluss aber die Gehaltschancen. So beträgt das jährliche Bruttoeinkommen von Hochschulabsolventen durchschnittlich DM 108.384,-- und knapp DM 35.000,--  mehr, als ein Abiturient ohne Uni-Abschluss im statistischen Durchschnitt verdient.