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Forum SOZIAL ist die Fachzeitschrift und Mitgliederzeitung der Sozialen Arbeit und Praxis. |
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Heft 1/2001 beschäftigt sich mit “Ehrenamtlichkeit”, sog. “Freiwilligenarbeit” oder auch der “
BürgerInnengesellschaft” - alles Stichworte, die neue Aktualität nicht nur erhalten haben, weil das Jahr 2001 zum Jahr des “Ehrenamtes” erkoren würde. |
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Ehrenamt – Wer zieht wen aus dem Sumpf?
Vier Menschen, vier Ehrenämter – sie sind nicht repräsentative Beispiele für die Vielfältigkeit ehrenamtlicher Arbeit, die in Deutschland geleistet wird. 18 % der BundesbürgerInnen über 15 Jahre leisteten 1996 ehrenamtliche Arbeit. Die viel zitierte Krise des Ehrenamtes lässt sich kaum belegen.
Vorhandene Zahlen deuten darauf hin, dass mehr Menschen bereit sind, ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Das Engagement hat insgesamt zugenommen: 40,6 % Prozent der Männer (Ost 31,2 %) und 29,6 % der
Frauen (18,8 %) beteiligen sich – so das sozio-ökonomische Panel
Allerdings haben sich Bereiche, Themen und Inhalte ehrenamtlicher Arbeit genauso verändert, wie die Interessen der Engagierten selbst. Damit ist zugleich ein Problem in der Diskussion um das Ehrenamt benannt: DAS Ehrenamt gibt es nicht.
Ob den jeweils diskutierten Zahlen zu trauen ist und was sie bedeuten, weiß keiner. So sollen 1986 200.000 Menschen in der Jugendarbeit aktiv gewesen sein, 1998 waren es dann
eine Million. Nur - im genannten Zeitraum ist nicht das Engagement gewachsen, vielmehr wurde die Definition von ehrenamtlichen Engagement verändert.
Die Einschätzungen darüber, was unter ehrenamtlicher Arbeit zu verstehen ist, gehen weit auseinander. Frauen und Ehrenamt Und: natürlich sind es Frauen, die in diesen Bereichen tätig sind und deren Arbeit – wieder einmal – vernachlässigt wird. Antwort auf die Krisen
Hier deutet sich an, was von Seiten der Politik immer wieder ins Gespräch gebracht wird. „Die große Herausforderung, den Staat wieder auf den Kernbereich seiner Aufgaben zurückzunehmen, kann nur mit
mehr Bürgersinn gelöst werden.“ Sie wollte (und will) den Status-Quo, also die Ab- hängigkeit des Sozialsystems von der Ehrenamtlichkeit, nicht nur erhalten, sondern die Ehrenamt- lichen mobilisieren,
um das Sozialsystem noch weiter abzubauen. - Krise „Sozialstaat“: - Krise „Familie“: - Krise „Arbeit“: - Krise „Normalarbeitsverhältnis“:
Und als Krisenretterin steigt die ehrenamtliche Arbeit als Bürgerschaftliches Engagement, als quasi-bezahlte Bürgerarbeit aus der Asche auf. Sie wird von Beck empfohlen für „Arbeitslose und
Sozialhilfeempfänger, Jugendliche vor, neben und nach der Berufsausbildung, Mütter nach der Erziehungsphase, älteren Menschen im Übergang in den Rentenstand, Teilzeiterwerbstätige,
vorübergehend aus der Erwerbsarbeit ausgestiegene“. Also im Grunde für alle die Menschen, für die der Sozialstaat und die Politik keine Antworten parat haben. Kategorien von Ehrenamt
Dem ehrenamtlichen oder bürgerschaftlichen Engagement wirdr jedoch unrecht tun, wenn es nur als politisch instrumentalierter Ersatz für sozialstaatliche Zuständigkeit gewertet wird. Gemeinsam ist allen dreien der Ausgangspunkt in der persönlichen Motivation und in der Kommunikation mit Anderen. Selbsthilfegruppen und Gruppen in der Interessenvertretung
haben viele gemeinsame Ansätze, es geht um das eigene „Empowerment“ – ob in Verantwortung zur persönlichen z.B. gesundheitlichen Situation oder in Verortung zur Situation im Gemeinwesen ist dabei nicht der zentrale Aspekt. Erfolg und
Anerkennung vermitteln sich über Fähigkeiten zur Krisenbewältigung, zur Gestaltung des Alltags oder auch zur Veränderung des Lebensumfeldes.
Sehr viel schwieriger stellt sich dagegen die Tätigkeit der Helfergruppen dar. Hier steht der „Lohn“ am Anfang der Überlegung, egal ob er nun in „Bürgermark wie Dömak, Batzen, Talenten“ ausgezahlt wird.
Hier ist der Anreiz, willst du dafür ehrenamtlich tätig sein? Steht dieser Lohn in Konkurrenz zur Entlohnung für Professionelle Soziale Arbeit? Ist das das Problem
ehrenamtlicher Arbeit, „weil es sich letztlich um eine Arbeit handelt, die jenseits von Amt und Ehre geleistet wird“? Ehrenamt im Sozialen Bereich Damit finden sich in der Abgrenzung und Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen im Sozialen Bereich besondere Probleme. Dies sind zugleich Facetten einer ganz anderen Frage. Sind wir in der Lage, das Selbst- Hilfepotential unserer KlientInnen wirklich wahrzunehmen? W. Nodes hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass
der Beschäftigte in Folge seines Hilfeauftrages gegenüber dem Klientel Haltungen entwickelt, „die diesen Auftrag aufgreifen und zu einer Differenz in der Einschätzung zwischen dem Klientel und
jeweiliger Gesamt-Gruppe“ führen. Für viele SozialarbeiterInnen ist der Klient von dem Moment an insgesamt hilfebedürftig und wenig handlungsfähig, wenn er die Beratungsstelle betritt.
Soziale Arbeit ist also aufgefordert, noch mehr die Ressourcen des Klientel zu fördern. Und zum Klientel gehören auch die Ehrenamtlichen. Hiermit verbindet sich auch die deutliche Forderung,
Selbsthilfegruppen und Interessenvertretung zu unterstützen. Der Lehrsatz aus dem Konzept des Community Organizing in den USA könnte auch für viele Bereiche der Sozialen Arbeit in Deutschland
äußerst hilfreich sein: „Tue nichts für Andere, was Andere für sich selbst tun können.“ Diese Forderungen finden sich auch in den Artikeln des Schwerpunktes wieder. Wir gehen nicht auf die
Frage, wohin geht es mit dem Ehrenamt, ein. Wir stellen Ansichten und Projekte vor, die nach Anschlüssen der Sozialen Arbeit zum bürgerschaftlichen Engagement fragen.
Denn die Menschen, die sich um anderer Anerkennung willen, als der des schnöden Geldes wegen mit anderen auseinandersetzen, Dinge in Bewegung bringen, kulturelle Werte schaffen und engagieren, sind
auch Hoffnung für ein Stück Demokratisierung. Soziale Arbeit ist vor allen anderen Berufsgruppen in der Lage, Menschen zu befähigen, sich für sich
selbst und andere einzusetzen. Denn wie haben wir bereits in unserer Ausbildung gelernt: Gute
Sozialarbeit macht sich überflüssig, wo immer es möglich und es zu verantworten ist.
Peter Albers |
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